Eisenbahn in Ostfriesland - Zeittafel

    Bereits 1825 stellt der deutsche Eisenbahn-Vordenker Friedrich Harkort fest, daß eine Verbindung des Rheines mit einem deutschen Nordseehafen einen großen wirtschaftlichen Vorteil bieten würde, da so die holländischen Zölle umgangen werden könnten. Er schlägt eine Verbindung mit Emden oder Bremen vor, wobei die Eisenbahn nur die Landstrecke zwischen Rhein und Ems bzw. (Rhein-) Lippe und Weser überbrücken sollte, während die restliche Strecke in bewährter Weise auf dem Wasserwege zurückzulegen gewesen wäre. Die Ideen von Harkort (und ebenso die Friedrich Lists) können sich aber nicht durchsetzen.
    Nachdem 1835 zwischen Nürnberg und Fürth die erste Bahnstrecke auf deutschem Boden errichtet wurde (die allerdings - nach heutigen Maßstäben - mehr den Charakter einer Vorortbahn hatte und den Zeitenlauf nicht überstand), erkannten Zeitgenossen in ganz Deutschland jedoch schnell, welche Möglichkeiten die neue Technik bot. Nur fünf Jahre später wagte man sich auch in Ostfriesland eine an konkrete Planung, vor allem um den Seehafen Emdens besser mit den Industriegebieten an der Weser zu verbinden (später änderte man allerdings seine Meinung und orientierte sich mehr in Richtung Rhein und Ruhr).
    Trotzdem dauerte es noch bis 1854, bevor ein Zug einen Emder Bahnhof erreichte. Ostfriesland gehörte zu dieser Zeit nun einmal zum Königreich Hannover, grenzte im Osten und Südosten aber an das Großherzogtum Oldenburg - nur ein schmaler Streifen von etwa 30km hielt im Süden den Anschluß an den Rest des Königsreiches. Der Herzog von Oldenburg befüchtete wohl, Hannover könnte mehr Vorteile aus einer Bahnverbindung über oldenburgisches Gebiet ziehen, als seine eigene kleine Nation. Die Kleinstaaterei, bei der jeder nur an seine Interessen dachte, ohne über seinen Tellerrand zu schauen, feierte hier fröhliche Urständ und der Weg über Oldenburg an die Weser blieb der Eisenbahn versperrt. (Übrigens hatte Preußen Jahre später, als um eine Eisenbahn zum geplanten Kriegshafen an der Jade  - heute Wilhelmshaven - ging, eine ganze Weile die gleichen Probleme mit dem seinerzeitigen oldenburgischen Staatsoberhaupt.) Erst ein Vertrag zwischen Hannover und Preußen (die nur zehn Jahre später gegeneinander in den Krieg zogen) machte es möglich: eine Eisenbahn von Emden über Oldersum (der Bahnhof Petkum wurde erst 1872 eingerichtet), Neermoor, Leer, Ihrhove, Steenfelde, Papenburg, Aschendorf ,Dörpen, Kluse, Lathen, Haren, Hemsen, Meppen, Geeste, Lingen, Elbergen, Leschede, Salzbergen über die preußisch/hannoversche Landesgrenze nach Rheine wurde 1856 gebaut. Die Strecke führt heute die Kursbuchnummer 395, es wird aber nur noch an den unterstrichenen Bahnhöfen gehalten (wobei der damalige Emder Bahnhof stillgelegt wurde und aus dem Haltepunkt "Larrelter Straße" an der später hinzugefügten Strecke nach Norden der heutige Hauptbahnhof entstand).
    Im Jahre 1867 wird die Strecke Oldenburg - Heppens eröffnet. Damit kann Preußen über oldenburgisches Gebiet seinen neuen Kriegshafen an der Jade erreichen, der eine preußische Enklave im Großherzogtum bildet - das bisherige "Hindernis Hannover" hat im Jahr zuvor den Deutschen Krieg verloren, ist dadurch mittlerweile preußische Provinz und kann seine Zustimmung nicht mehr verweigern. Mit Oldenburg kann man sich schließlich einigen. Die Strecke verläuft von Oldenburg über Bürgerfeld, Neusüdende, Rastede, Hahn, Jaderberg, Varel, Dangastermoor, Ellenserdamm, Sande, Mariensiel und Rüstringen nach Heppens (später umbenannt in Wilhelmshaven). Auch hier sind die noch vorhandenen Bahnhöfe auf der heutigen KBS 392 unterstrichen.
    Was im Laufe der Zeit in Ostfriesland rund um die Eisenbahn geschehen ist, kann man dieser Zeittafel entnehmen. Den Begriff "Ostfriesland" habe ich hier nicht so ganz genau genommen, die Strecken enden schließlich nicht an unserer "Grenze". Die kleineren Nebenstrecken, die sich an die erwähnten Bahnen anschließen, aber komplett außerhalb unseres Landes befinden, habe ich allerdings fortgelassen.

Wie immer, so gilt auch an dieser Stelle: Des Lesers Meinung ist gefragt. Ergänzungen, Berichtigungen oder auch "nur" Kommentare bitte an mich.


© Thomas Feldmann, Leer (Ostfriesland) - erstellt 10.05.2000 -

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