Die Emder Denkmallok

043 903-4 44 903Bei der Emder Denkmallok handelt es sich um eine Einheitslokomotive der Baureihe 44, von der 1926 (10 Stück zum Vergleich mit der Baureihe 43) bzw. 1937 bis 1949 (Serienbeschaffung und einige Nachbauten) fast 2000 Exemplare für den schweren Güterzugdienst beschafft wurde. 44 903 wurde 1943 im besetzten Frankreich von der Compagnie Genérale de Construction de Locomotives Batignolles-Chatillon in Nantes-St. Joseph mit der Fabriknummer 695 gebaut. Nach der Abnahme am 26.10.1943 reihte die Deutsche Reichsbahn sie als 44 903 in ihren Fahrzeugpark ein. Es handelte sich um eine bereits etwas vereinfachte Ausführung der Baureihe 44, die als „Übergangs-Kriegslokomotive“ (in diesem Falle „44 ÜK“) bezeichnet wurde. Bei der Deutschen Bundesbahn wurde die Lok 1960 von Kohle- auf Ölfeuerung umgebaut und sie erhielt daher später die EDV-gerechte Nummer 043 903-4.

Denkmallok 043 903-4
Foto: Thomas Feldmann, 11.09.2016

 

Stationierungen:
Würzburg 26.10.1943 – ?
(Weitere Angaben zur Kriegszeit fehlen, da es sich bei dem noch vorhandenen Betriebsbuch lediglich um eine Zweitschrift handelt.)
Mannheim Hbf 13.01.1945 – 28.07.1953
Mannheim 28.08.1953 – 31.08.1955
Dillenburg 07.10.1955 – 16.03.1956
Hanau 17.03.1956 – 01.08.1959
Friedberg 02.08.1959 – 20.04.1960
Aw Braunschweig 21.04.1960 – 15.06.1960 (Umbau auf Ölfeuerung und Einbau des Kessels Henschel 26.065/1941 aus 44 456)
Bebra 16.06.1960 – 25.09.1964
Kassel 26.09.1964 – 18.01.1965
Bebra 19.01.1965 – 08.06.1966
Kassel 06.07.1966 – 27.01.1973
Rheine 28.01.1973 – 31.05.1974
Emden 01.06.1974 – 26.10.1977

Als letzte Leistung beförderte 043 903-4 am 26.10.1977 für das Neubauamt Nord den Arbeitszug Az 81354 (bestehend aus einem Hilfszug-Gerätewagen) von Oldersum nach Emden Rbf, der letzte planmäßig mit Dampflok beförderte Zug der Deutschen Bundesbahn. Um 15.45 Uhr lief das kurze Gespann in Emden ein. Zur gleichen Zeit wurde 043 315-1 endgültig abgestellt, die auf Wunsch einiger Eisenbahnfreunde noch einen außerplanmäßigen Einsatz und eine Übergabe aus dem Hafen holte. Nachdem mit 043 903-4 einige Scheinanfahrten für die Fotografen gemacht hatte, der Gerätewagen abgestellt und die Lok noch einige Male auf der Drehscheibe gewendet worden war, wurde sie auf einem Nebengleis kalt gemacht. Lokführer Resnitschenko und Heizer Gröning führten eine letzte Kontrolle durch – wie sie nach Abschluss jeder Fahrt vorgeschrieben ist – und wurden dann von den Anwesenden kurz nach 16 Uhr mit Beifall verabschiedet.
Damit endete bei der Deutschen Bundesbahn das Zeitalter der Dampflokomotive: Bw Emden, 26. Oktober 1977, 16.04 Uhr.


Am 6. Dezember 1981 wurde die Lok auf einer Grünfläche am Vorplatz des Emder Hauptbahnhofes als Denkmal aufgestellt. Seit dieser Zeit kümmert sich der Arbeitskreis Denkmallok e. V. um die Erhaltung der Maschine. Auf dessen Internetseite www.denkmallok-043.de werden auch einige Fotos vom Transport der Lok an ihren heutigen Standort und vom Aufstellen gezeigt.


Eine große Aktion war die komplette Erneuerung des Anstriches, die im wesentlichen von Dietrich Engelberts (†), Mitglied des Arbeitskreises, alleine durchgeführt wurde (zum zweiten und – wie er damals selbst sagte – wohl zum letzten Mal). Im Februar 1995 begannen die Arbeiten mit dem Aufbau eines von Engelberts selbst angefertigten Wetterschutzes durch Soldaten der Bundeswehr der (damals noch) in Emden stationierten Technischen Spezialkompanie 200 (Pipelinepioniere), die auch den benötigten Kran zur Verfügung stellte.

Bis zur Fertigstellung habe ich die Nähe der „Baustelle“ zu meiner damaligen Wohnung genutzt und war die ganze Zeit hindurch immer wieder an der Lok zu finden, um Fotos zu machen.

Eine Gesamtansicht der Situation kurz nach Beginn der Arbeiten. Die Binder der Überdachung sind bereitgelegt, die ersten beiden bereits aufgestellt.
Orientierungshilfe für Ortsfremde: Der Wasserturm steht an der Einmündung des Bahnhofsplatzes (auf der anderen Seite der Lok) in die Abdenastraße, im Rücken des Betrachters befindet sich die Brücke der Larrelter Straße über die Eisenbahnstrecken Leer – Emden – Norddeich und Emden – Emden-Außenhafen.
Übrigens haben sich auf der Rasenfläche im Vordergrund vor einigen Jahre Emder Miniatureisenbahner mit einer Anlage in Spurweite 5 1/4 Zoll niedergelassen. Seit einiger Zeit kann auf dem Außenring auch in 7″-Spur gefahren werden.

Das ganze einige Minuten später. Der dritte Binder ist aufgerichtet und wird nun an seinen Platz vor der Lok gehoben.

Frage eines der Soldaten während der Kranarbeiten, nachdem der Fotograf der Emder Zeitung wieder verschwunden war und ich nach weit über zwei Stunden immer noch fotografierte: „Von welcher Zeitung sind Sie denn?“

Der vordere Abschluss wird auf dem Tragwerk befestigt. Der Oberfähnrich zeigt seinem Gefreiten, wie man die Bohrmaschine bedient …

Hier kann man (Bildmitte unten) schwach erkennen, dass das Wetterdach auf Rollen steht. Es deckt nur einen Teil der 043 ab und kann dank der Räder während der Arbeit an der Lok entlangwandern.
Der Herr im grünen Overall ist übrigens Dietrich Engelberts (†), der sowohl die Überdachung gebaut als auch weitestgehend alleine die Lok neu lackiert hat.

Die beiden folgenden Bilder zeigen die fertige Überdachung. Dank dieser Einrichtung konnten die meisten Tätigkeiten bei (fast) jedem Wetter durchgeführt werden, lediglich bei starken Regen mit Wind aus ungünstiger Richtung musste die Arbeit ruhen.

Vorderansicht

links: Rauchkammer und vorderes Ende des Rahmens sind hier bereits komplett abgeschliffen und dann wieder grundiert worden. Lediglich dem Schlot fehlt noch die Grundierung, was sich hier bereits durch Rostansatz bemerkbar macht.

rechts: Die Vorderansicht etwas später. Kessel und Windleitbleche sind neu lackiert, die Puffer tragen schon wieder ihren Warnanstrich.

Die Arbeiten schreiten voran. Der Kessel ist bereits fertig, der Tender abgeschliffen und grundiert.
Heutzutage durchaus erwähnenswert: Einziger Schaden durch Vandalismus während der Arbeiten war ein unleserlicher Schriftzug auf der rechten Tenderseitenwand kurz nach deren Fertigstellung. Die Fläche war glücklicherweise leicht wieder zu übermalen.


Der Neuanstrich hatte noch eine ganz andere, praktische Seite: Einige Details ließen sich nach der Grundierung wesentlich besser als in der üblichen schwarz/roten Farbgebung, sozusagen im „Photographieranstrich“, ablichten.

Die letzte Kuppelachse (Radsatz E), der INDUSI-Magnet und der Bremszylinder auf der rechten Seite der Lok. Die beiden hinteren Kuppelachsen (Radsätze D und E), dahinter der Aschkasten. Ebenfalls von der Lokführerseite gesehen.
Das innere Triebwerk
Schwinge mit der Schieberschubstange und Hängeeisen. Kreuzkopf mit Treibstange und dem Ansatz der Kolbenstange (unten), Schieberstange mit deren Kreuzkopf (darüber).

Tender-Drehgestell

Und zum Abschluss: Das vordere Drehgestell des Tenders (es ist immer noch der, mit dem die Lok 1943 geliefert wurde), von der rechten Seite fotografiert.


© Thomas Feldmann, Emden (Ostfriesland)
erstellt 19.05.2001 – letzte Änderung 31.07.2018