Norden – Norddeich Mole

StreckenkarteSchon während des Baues der Küstenbahn entstand der Wunsch, auch Norddeich einen Anschluss an die Eisenbahn zu verschaffen und so begannen Planungen für eine Pferdeeisenbahn zwischen Norden und Norddeich. Den Akten im Niedersächsischen Landesarchiv in Aurich zufolge beschäftigte man sich von 1880 bis 1888 damit, zum Bau kam es jedoch nicht.
Das Verkehrsbedürfnis scheint aber durchaus nennenswert gewesen zu sein, so dass die Eisenbahndirektion Münster als Ergänzung der Küstenbahn die Strecke von Norden nach Norddeich baute, die 1892 dem Betrieb übergeben werden konnte. Vom Bahnhof Norddeich aus wurde ein Gleis bis auf die neu geschaffene Hafenmole verlängert, so dass seitdem sehr komfortabel direkt zwischen Zug und Schiff umgestiegen werden kann.
Wie sich zeigte, war die Entscheidung der preußischen Eisenbahn sehr weitsichtig. Im Laufe der Zeit hat der Bäderverkehr auf diesem Abschnitt stark zugenommen. Gleichzeitig wurde der Verkehr auf der Küstenbahn zwischen Norden und Sande immer geringer, bis er dort schließlich eingestellt wurde. Wer heute aus Richtung Leer kommend nach Norddeich-Mole unterwegs ist merkt nicht mehr, dass er eigentlich unterwegs zweimal (in Emden Rangierbahnhof und in Norden) die Strecke wechselt.

Die Stationen: Norden, Norden-Osterstraße, Norddeich, Norddeich-Mole.

Anschluss besteht in Norden an die Ostfriesische Küstenbahn.


NORDEN (km 0,0)

Norden
Ansichtskarte, ohne Jahr, Verlag P. Paulsen, Norden

Ausgangspunkt der Strecke ist der Bahnhof Norden an der bereits 1883 eröffneten Küstenbahn, die hier nach Osten abbiegt.


NORDEN-Osterstraße (km 1,4)

Norden-Osterstraße, 1907
Der Haltepunkt Norden-Osterstraße und der Anschluss der Norder Eisenhütte im Jahr 1907, zwischenzeitlich sogar mit Ausfahrsignalen ausgestattet.

Der Wunsch nach einer Haltestelle in diesem Bereich kam bereits kurz nach Eröffnung der Strecke nach Norddeich auf, der Norder Bahnhof lag ja ein Stück außerhalb der Stadt in Süderneuland. Ein paar Jahre später war es dann schon soweit, das „Amtsblatt für Ostfriesland“ vermeldete in Ausgabe 9/1895:
Am 1. März d. J. wird der zwischen den Stationen Norden und Norddeich neu errichtete Haltepunkt Norden-Osterstraße für den Personenverkehr eröffnet. Die Entfernung von Station Norden beträgt 1,4 und von Norddeich 4,3 km.
Die Abfahrtszeiten der in Norden-Osterstraße anhaltenden Züge sind in den z. Z. bestehenden Fahrplänen angegeben.
Eine direkte Personen- und Gepäckabfertigung findet von und nach Norden-Osterstraße nach und von den Stationen Norden, Norddeich, Aurich, Dornum, Emden, Esens, Georgsheil, Hage u. s. w. statt.
Köln, den 19. Februar 1895.
Königliche Eisenbahn-Direktion (rechtsrheinische).

Norden-Osterstraße
Ansichtskarte, ohne Jahr, Verlag Gebrüder Hasbargen, Norden (Die Haltestelle befindet sich rechts außerhalb des Bildes.)

Am 1. September 1933 wurde der Name dann – wegen der Umbenennung der Osterstraße – in Norden-Adolf-Hitler-Straße geändert. Im Kursbuch der Reichsbahn in der britischen Zone heißt es 1946 wieder Norden-Osterstraße, im Kursbuch Winter 1948/49 dann aber schon „Norden Stadt“. Offiziell geschlossen wird die Haltestelle dann zum 28.05.1983, ein Gebäude ist auf einem Gleisplan mit Berichtigungsstand 1981 schon nicht mehr vorhanden.
Nebenbei: Laut Mitteilung der BD Münster 8Vt2Vps vom 20.12.1966 wird der „Sperrendienst sofort aufgehoben in … Norden Stadt …“ Norden selbst gehört in der Liste zu den Bahnhöfen, deren Bahnsteigsperren „mindestens zeitweise besetzt“ sind.

Dr. Kochs Stationsverzeichnis (1904, 1929, 1934, 1939) hat als Bemerkung durchgehend nur PH, also Personen- und Gepäckverkehr. Das „Amtliche Bahnhofsverzeichnis“ hat 1926 „og u“ (ohne Güterverkehr, unbesetzt [Mutterbahnhof ist Norden]), 1928 gar keinen Eintrag, 1933 dann „IV† og“ (Bahnhof der Klasse 4, mit Agent besetzt, ohne Güterverkehr), 1938 „Hp†“ (also Haltepunkt mit Agent), 1944 „IV“ (Bahnhof der Klasse 4).


NORDDEICH (km 5,8)

Norddeich
Fotografie, datiert 1928, Verlag Julius Simonsen, Oldenburg i./H. (Möglicherweise handelt es sich um eine Art „Probeabzug“ des Verlages.)

Norddeich erhielt einen recht großzügigen Bahnhof mit größeren Gleisanlagen. Hier endeten und begannen einige lange Zugläufe, deren Fahrzeuge behandelt werden mussten, und auch Kurswagen z. B. nach Berlin oder Basel. Die ausgedehnten Abstellanlagen südöstlich des Bahnhofes und spätere Ergänzungen wie Drehscheibe und Waggon-Waschanlage zeugten davon.


NORDDEICH-MOLE.

Norddeich Mole
Ansichtskarte, Verlag M. Glückstadt & Münden, Hamburg, ca. 1900

Die Preußische Staatsbahn berücksichtigte den stetig steigenden Bäderverkehr auf die Ostfriesischen Inseln (vor allem nach Norderney) mit einer unfangreichen Baumaßnahme: Um einen problemlosen Übergang zwischen Bahn und Schiff zu ermöglichen, erhielt Norddeich eine Hafenmole, an der mehrere Schiffe gleichzeitig Platz fanden. Ein darauf verlegtes Gleis mit Bahnsteig hielt die Wege der Reisenden beim Umsteigen zwischen Zug und Schiff äußerst kurz.

Norddeich-Mole
Ansichtskarte ohne Jahr, Verlag Hermann Braams, Norden & Norddeich
Norddeich Mole
Sammelbild, Verlag Eberhard van Ende, Norddeich, ca. 1930

Um die Bequemlichkeit der Reisenden noch weiter zu steigern, erhielt das Gleis später eine kurze Bahnsteighalle. Der Güterverkehr machte schließlich sogar den Bau eines Bockkranes über den Umschlaggleisen am Kai erforderlich.
Auch damals reisten nicht alle mit der Bahn: Der Kraftomnibus in der Bildmitte trägt ein Oldenburger Kennzeichen, ganz links steht ein weiteres Automobil. Die abgebildete 78 391 kam übrigens im Februar 1923 fabrikneu nach Norden und tat hier lange Jahre Dienst.


© Thomas Feldmann, Emden (Ostfriesland)
erstellt 02.09.2006 – letzte Änderung 28.07.2019