Amtsblatt 1895

1. M├Ąrz 1895, St├╝ck 9, Seite 45
112. Am 1. M├Ąrz d. J. wird der zwischen den Stationen Norden und Norddeich neu errichtete Haltepunkt Norden-Osterstra├če f├╝r den Personenverkehr er├Âffnet. Die Entfernung von Station Norden betr├Ągt 1,4 und von Norddeich 4,3 km. Die Abfahrtszeiten der in Norden-Osterstra├če anhaltenden Z├╝ge sind in den z. Z. bestehenden Fahrpl├Ąnen angegeben.
Eine direkte Personen- und Gep├Ąckabfertigung findet von und nach Norden-Osterstra├če nach und von den Stationen Norden, Norddeich, Aurich, Dornum, Emden, Esens, Georgsheil, Hage u. s. w. statt.
K├Âln, den 19. Februar 1895.
K├Ânigliche Eisenbahn-Direktion (rechtsrheinische).


10. April 1895, St├╝ck 16, Seite 112
227. K├Ânigliche Eisenbahn-Direktion M├╝nster. Der G├╝terexpedient Happe ist von Norden nach Leer versetzt worden.


26. April 1895, St├╝ck 17, Seite 117
242. Am 1. Mai d. J. tritt der neue Sommerfahrplan des diesseitigen Bezirks in Kraft, welcher schon jetzt bei allen diesseitigen Stationen eingesehen werden kann. Aushang und Taschenfahrpl├Ąne zum Preise von 40 und 15 Pf das St├╝ck sind vom 1. Mai ab bei allen diesseitigen Fahrkarten-Ausgabestellen zu haben.
F├╝r alle w├Ąhrend der Sommerfahrplanzeit etwa eintretenden Fahrplan├Ąnderungen werden zu bezeichneten Fahrpl├Ąnen Deckbl├Ątter herausgegeben, welche von den Verkaufsstellen auf Anforderung unentgeltlich abgegeben werden.
Hannover, den 11. April 1895.
K├Ânigliche Eisenbahn-Direktion.


7. Juni 1895, St├╝ck 23, Beilage

Verhandlungen
der
Ostfriesischen Landrechnungs-Versammlung
vom Jahre 1895.
Geschehen Aurich im landschaftlichen Hause
am 15. Mai 1895.

[…]
Auf Vorschlag des Herrn Oberb├╝rgermeisters F ├╝ r b r i n g e r [Emden, St├Ądtestand] wird sodann zun├Ąchst die Relation 16 verlesen und der Herr Fleckensvorsteher L ├╝ p k e s [Pewsum, dritter Stand] von dem Herrn Pr├Ąsidenten veranla├čt, den Antrag zu begr├╝nden.
Derselbe bezieht sich auf den ausgelegten Antrag des Fleckens Pewsum und bemerkt, da├č nach Ansicht der Betheiligten, welche die ├Ârtlichen Verh├Ąltnisse genau kennen, die Bahn ohne allen Zweifel rentabel sei.
Herr Oberb├╝rgermeister F ├╝ r b r i n g e r erkl├Ąrt, da├č der Vorstand des Komitees in Pewsum ihn ersucht habe, den Antrag zu begr├╝nden. Er habe das Ersuchen jedoch nicht angenommen. Vor Anlegung der K├╝stenbahn habe die Landrechnungs-Versammlung einen Zuschu├č von 7500 M pro Kilometer in Aussicht gestellt f├╝r Anlegung von Kleinbahnen. Dann sei die K├╝stenbahn gebaut, wozu die Landschaft erhebliche Zusch├╝sse geliefert habe.
Der Beschlu├č bestehe formell noch, es frage sich nur, ob derselbe nicht durch die zum Bau der K├╝stenbahn gegebenen Mittel aus aufgehoben anzusehen sei.
Bei dem nun ├╝berall hervortretenden Interesse f├╝r den Ausbau von Kleinbahnen trete an die Landrechnungs-Versammlung die Frage heran, ob sie zum Bau von Kleinbahnen Stellung nehmen und den fr├╝heren Beschlu├č wiederholen wolle. Er halte den Ausbau von Kleinbahnen von gro├čer Wichtigkeit f├╝r Ostfriesland und sei der Ansicht, da├č die Landschaft mit Beih├╝lfen eintreten k├Ânne. Jedenfalls sei zu ber├╝cksichtigen, da├č die Stellung, welche die Versammlung zu dem Antrage Pewsum nehmen werde, Folgen haben werde.
Der Antrag Pewsum sei zu berathen und zu pr├╝fen, wie das Kleinbahnwesen aus landschaftlichen Mitteln gef├Ârdert werden k├Ânne. Er beantrage mit der Berathung und Pr├╝fung das Landschafts-Kollegium zu beauftragen, welches in der n├Ąchsten Landrechnungs-Versammlung dann weitere Vorschl├Ąge in der Sache zu machen gebeten w├╝rde.
Herr Graf W e d e l [G├Âdens, Ritterschaft] will auf den Antrag Pewsum wegen mangelnder Begr├╝ndung desselben nicht weiter eingehen, bitte aber die Versammlung heute der Ansicht Ausdruck zu geben, da├č die Kleinbahnen werth sind unterst├╝tzt zu werden.
Herr B├╝rgermeister K ├ n i g [Norden, St├Ądtestand] theilt die Ansicht der Herrn Oberb├╝rgermeisters F ├╝ r b r i n g e r. Er meint, der von dem letzteren erw├Ąhnte fr├╝here Beschlu├č existire nicht mehr, weil inzwischen die K├╝stenbahn gebaut sei. Er sei auch f├╝r F├Ârderung der Kleinbahnen, halte es aber f├╝r richtig, das Landschafts-Kollegium mit einer Pr├╝fung der einschl├Ągigen Fragen zu beauftragen, namentlich sei es ihm zweifelhaft, ob die Landschaft materiell in der Lage sei, solche weittragenden Beschl├╝sse zu fassen.
Dem Antrage Pewsum fehle es an der erforderlichen Begr├╝ndung und k├Ânne deshalb nicht dar├╝ber entschieden werden.
Zur Gesch├Ąftsordnung bemerkt Herr Landschaftsrath S c h w i e n i n g [Aurich, St├Ądtestand], da├č die Relation deshalb so kurz gefa├čt sei, weil die Begr├╝ndung des Antrages in dem, auf den Tisch des Hauses ausgelegten Antrag des Fleckens Pewsum, sowie in der diesem Antrage angelegten Druckschrift „Verkehrsverh├Ąltnisse der Krummh├Ârn“ enthalten sei.
Herr B├╝rgermeister D i e c k m a n n [Leer, St├Ądtestand] will die Antr├Ąge des Herrn Oberb├╝rgermeisters F ├╝ r b r i n g e r und des Herrn Grafen W e d e l in der Weise vereinigen, da├č die Versammlung zun├Ąchst den Antrag des ersteren annehme und dann ausspreche, da├č sie anerkenne, es sei w├╝nschenswerth, des Ausbau der Kleinbahnen zu f├Ârdern.
Der Herr Oberb├╝rgermeister F ├╝ r b r i n g e r stellt hierauf folgenden Antrag:
„Das Gesuch der Fleckensgemeinde Pewsum dem Landschafts-Kollegium zu ├╝berweisen zur Erw├Ągung und Berichterstattung dar├╝ber, ob und in welcher Weise der Ausbau dieser und anderer Kleinbahnen in Ostfriesland aus landschaftlichen Mitteln gef├Ârdert werden k├Ânne“,
wozu Herr B├╝rgermeister D i e c k m a n n den Verbesserungsantrag stellt:
„St├Ąnde acceptiren den Antrag F ├╝ r b r i n g e r mit der Erkl├Ąrung, da├č seitens derselben als w├╝nschenswerth anerkannt wird, das Eisenbahnnetz Ostfrieslands nach M├Âglichkeit zu erweitern und die darauf gerichteten Bestrebungen nach Kr├Ąften zu f├Ârdern.“
Herr B├╝rgermeister B r a a m s [Norden, St├Ądtestand] schlie├čt sich diesen Antr├Ągen an und bittet den Antrag Pewsum nicht weiter zu ber├╝cksichtigen, indem er sich der Hoffnung hingebe, die Staatsregierung, welche bei der Anlage der K├╝stenbahn gefehlt habe, habe letzteres eingesehen und werde nun die Richtung Norden-Emden direkt als Staatsbahn ausbauen.
Herr Rektor a. D. H a r t m a n n [Wittmund, dritter Stand] h├Ąlt es f├╝r n├Âthig durch Beschlu├č festzustellen, ob der fr├╝here von dem Herrn Oberb├╝rgermeister F ├╝ r b r i n g e r erw├Ąhnte Beschlu├č noch zu Recht bestehe, auch Herr B├╝rgermeister D i e c k m a n n h├Ąlt eine Pr├╝fung dieser Frage f├╝r w├╝nschenswerth, worauf Herr Graf K n y p h a u s e n [L├╝tetsburg, Ritterschaft] zur Gesch├Ąftsordnung bemerkt, da├č der Beschlu├č die Bewilligung von 7500 M pro Kilometer nur f├╝r zwei Bahnen, n├Ąmlich f├╝r die Sekund├Ąrbahn von Norden nach Emden und von Emden ├╝ber Aurich nach Wittmund und auch nur unter der Voraussetzung ausspreche, da├č die ├╝brigen erforderlichen Mittel vorhanden seien.
Nachdem Herr B├╝rgermeister S c h w i e n i n g sich dann noch zu den gestellten Antr├Ągen dahin ge├Ąu├čert hatte, da├č dieselben zu allgemein gehalten seien und seiner Ansicht von Fall zu Fall gepr├╝ft werden m├╝sse, ob und welche Beih├╝lfen zu leisten seien, und nachdem Herr Fleckensvorsteher┬á L ├╝ p k e s die Annahme des Antrages Pewsum nochmals empfohlen hatte, wird auf Antrag die Debatte geschlossen.
Bei der ├╝ber den Verbesserungsantrag des Herrn B├╝rgermeisters D i e c k m a n n gehaltenen Abstimmung wird solcher von der Ritterschaft mit Majorit├Ąt, in den beiden anderen St├Ąnden einstimmig angenommen
[…]
[Der in eckige Klammern gesetzte Herkunftsort und der durch die Person vertretene Stand sind nicht im Originaltext enthalten, sondern jeweils der Teilnehmerliste entnommen.]


18. Oktober 1895, St├╝ck 42, Seite 283
563. Gem├Ą├č ┬ž 46 des Kommunalabgabengesetzes vom 14. Juli 1893 (G.-S. S. 152] wird hiermit zur ├Âffentlichen Kenntni├č gebracht, da├č aus dem Betriebe der Preu├čischen Strecken der Gro├čherzoglich Oldenburgischen Eisenbahn von Ihrhove nach Neuschanz und von Oldenburg nach Leer ein kommunalabgabenpflichtiges Reineinkommen f├╝r 1894 nicht erzielt worden ist.
Hannover, den 3. Oktober 1895.
Der K├Ânigliche Eisenbahn-Kommissar,
Eisenbahn-Direktions-Pr├Ąsident.
Reitzenstein.


29. November 1895, St├╝ck 48, Seite 316
639. Die Gleisverbindung zwischen dem Bahnhofe Emden und dem Schiffsliegeplatz an der Nesserlander-Schleuse wird mit dem 15. Januar k. J. f├╝r den ├Âffentlichen Verkehr geschlossen.
M├╝nster, den 16. November 1895.
K├Ânigliche Eisenbahn-Direktion.


┬ę Thomas Feldmann, Emden (Ostfriesland)
erstellt 22.05.2001 – letzte ├änderung 26.06.2018