Norden – Norddeich Mole

StreckenkarteSchon w├Ąhrend des Baues der K├╝stenbahn entstand der Wunsch, auch Norddeich einen Anschluss an die Eisenbahn zu verschaffen und so begannen Planungen f├╝r eine Pferdeeisenbahn zwischen Norden und Norddeich. Den Akten im Nieders├Ąchsischen Landesarchiv in Aurich zufolge besch├Ąftigte man sich von 1880 bis 1888 damit, zum Bau kam es jedoch nicht.
Das Verkehrsbed├╝rfnis scheint aber durchaus nennenswert gewesen zu sein, so dass die Eisenbahndirektion M├╝nster als Erg├Ąnzung der K├╝stenbahn eine Strecke von Norden nach Norddeich baute, die am 15. Juni 1892 dem Betrieb ├╝bergeben werden konnte. Vom Bahnhof Norddeich aus wurden ein Gleis f├╝r Personenz├╝ge und weitere f├╝r Fracht und Schiffskohle bis auf die neu geschaffene Hafenmole verl├Ąngert, so dass seitdem sehr komfortabel direkt zwischen Zug und Schiff umgestiegen werden kann. Ab 1895 fuhren sogar Schnellz├╝ge bis auf die Mole.

Fahrschein Norden - Norddeich 1899
Ein „Zusammengestelltes Fahrscheinheft“ im Werte von insgesamt 26 Mark und 60 Pfennig leistete sich Gertrud Klose am 2. April 1899, g├╝ltig war es bis einschlie├člich 16. Mai um Mitternacht. Den letzten Fahrschein f├╝r eine Fahrt zwischen Norden und Norddeich hat sie nicht mehr benutzt.

Wie sich zeigte, war die Entscheidung der preu├čischen Eisenbahn sehr weitsichtig. Im Laufe der Zeit hat der B├Ąderverkehr auf diesem Abschnitt stark zugenommen. Gleichzeitig wurde der Verkehr auf der K├╝stenbahn zwischen Norden und Sande immer geringer, bis er dort schlie├člich eingestellt wurde. Wer heute aus Richtung Leer kommend nach Norddeich-Mole unterwegs ist merkt nicht mehr, dass er eigentlich unterwegs zweimal (in Emden Rangierbahnhof und in Norden) die Strecke wechselt.

Die Stationen: Norden, Norden-Osterstra├če, Norddeich, Norddeich-Mole.

Anschluss besteht in Norden an die Ostfriesische K├╝stenbahn.


Die Kilometrierung der Strecke Norden – Norddeich wurde irgendwann ge├Ąndert und seitdem ab Emden gerechnet. Das Datum der Umstellung kenne ich leider noch nicht, aber mir liegen Liegenschaftskarten der Deutschen Bundesbahn aus den sp├Ąten 1950er Jahren vor, in denen bereits die neuen Streckenkilometer angegeben sind; umgekehrt aber auch ein Teil eines Gleisplans von Norddeich von 1959, der noch die alten Werte zeigt. Im Folgenden sind die alten Angaben genannt.


NORDEN (km 30,4 ab Emden)

Norden 1906
Ansichtskarte: ohne Jahr, Verlag P. Paulsen, Norden

Ausgangspunkt der Strecke ist der Bahnhof Norden an der bereits 1883 er├Âffneten K├╝stenbahn, die hier nach Osten abbiegt, w├Ąhrend es nach Norddeich in n├Ârdlicher Richtung weitergeht.


Berumerfehnkanal (bei km 0,0)

Gleisplan Norden
Aussschnitt aus einem Gleisplan des Norder Bahnhofes, Rbd M├╝nster (Westf.) 1929

Der eigentliche Ursprung der Strecke von Norden nach Norddeich liegt jedoch nicht im Bahnhof, sondern kurz hinter der Br├╝cke ├╝ber den Berumerfehnkanal. Direkt am Nordufer des Kanales ist hier der Kilometer 0,0 eingetragen.


NORDEN-Osterstra├če (km 0,8)

Norden-Osterstra├če, 1907
Der Haltepunkt Norden-Osterstra├če und der Anschluss der Norder Eisenh├╝tte im Jahr 1907, zwischenzeitlich sogar mit Ausfahrsignalen ausgestattet.

Der Wunsch nach einer Haltestelle in diesem Bereich kam bereits kurz nach Er├Âffnung der Strecke nach Norddeich auf, der Norder Bahnhof lag ja ein St├╝ck au├čerhalb der Stadt in S├╝derneuland. Ein paar Jahre sp├Ąter war es dann schon soweit, das „Amtsblatt f├╝r Ostfriesland“ vermeldete in Ausgabe 9/1895:
Am 1. M├Ąrz d. J. wird der zwischen den Stationen Norden und Norddeich neu errichtete Haltepunkt Norden-Osterstra├če f├╝r den Personenverkehr er├Âffnet. Die Entfernung von Station Norden betr├Ągt 1,4 und von Norddeich 4,3 km.
Die Abfahrtszeiten der in Norden-Osterstra├če anhaltenden Z├╝ge sind in den z.┬áZ. bestehenden Fahrpl├Ąnen angegeben.
Eine direkte Personen- und Gep├Ąckabfertigung findet von und nach Norden-Osterstra├če nach und von den Stationen Norden, Norddeich, Aurich, Dornum, Emden, Esens, Georgsheil, Hage u.┬ás.┬áw. statt.
K├Âln, den 19. Februar 1895.
K├Ânigliche Eisenbahn-Direktion (rechtsrheinische).

Laut einer Aufstellung der Reichsbahndirektion vom 1. April 1928 war die Station zu diesem Zeitpunkt unbesetzt und ohne G├╝terverkehr.

Norden-Osterstra├če
Ansichtskarte: ohne Jahr, Verlag Gebr├╝der Hasbargen, Norden (Die Haltestelle befindet sich rechts au├čerhalb des Bildes.)

Am 1. September 1933 wurde der Name dann – wegen der Umbenennung der Osterstra├če – in Norden-Adolf-Hitler-Stra├če ge├Ąndert. Im Kursbuch der Reichsbahn in der britischen Zone hei├čt es 1946 wieder Norden-Osterstra├če, im Kursbuch Winter 1948/49 dann aber schon „Norden Stadt“. Offiziell geschlossen wird die Haltestelle dann zum 28.05.1983, ein Geb├Ąude ist auf einem Gleisplan mit Berichtigungsstand 1981 schon nicht mehr vorhanden.
Nebenbei: Laut Mitteilung der BD M├╝nster 8Vt2Vps vom 20.12.1966 wird der „Sperrendienst sofort aufgehoben in … Norden Stadt …“ Norden selbst geh├Ârt in der Liste zu den Bahnh├Âfen, deren Bahnsteigsperren „mindestens zeitweise besetzt“ sind.

Dr. Kochs Stationsverzeichnis (1904, 1929, 1934, 1939) hat als Bemerkung durchgehend nur PH, also Personen- und Gep├Ąckverkehr. Das „Amtliche Bahnhofsverzeichnis“ hat 1926 „og┬áu“ (ohne G├╝terverkehr, unbesetzt [Mutterbahnhof ist Norden]), 1928 gar keinen Eintrag, 1933 dann „IVÔÇá┬áog“ (Bahnhof der Klasse 4, mit Agent besetzt, ohne G├╝terverkehr), 1938 „HpÔÇá“ (also Haltepunkt mit Agent), 1944 „IV“ (Bahnhof der Klasse 4).


NORDDEICH (km 5,8)

Norddeich 1928
Foto: Verlag Julius Simonsen, Oldenburg i./H., 1928 (m├Âglicherweise handelt es sich um eine Art „Probeabzug“ des Verlages)

Norddeich erhielt einen recht gro├čz├╝gigen Bahnhof mit gr├Â├čeren Gleisanlagen, die deutlich ├╝ber das Umgebungsniveau angehoben wurden, um das anschlie├čende ├ťberqueren des Deiches zu erm├Âglichen. Im Luftbild unten ist das im Vergleich mit den H├Ąusern im Vordergrund gut zu erkennen. Das Geb├Ąude bot zuletzt einen stark ver├Ąnderten Anblick und wurde schlie├člich im Jahre 2014 abgebrochen.
In Norddeich endeten und begannen einige lange Zugl├Ąufe, deren Fahrzeuge behandelt werden mussten, und auch Kurswagen z. B. nach Berlin oder Basel. Die ausgedehnten Abstellanlagen s├╝d├Âstlich des Bahnhofes und sp├Ątere Erg├Ąnzungen wie Drehscheibe und Waggon-Waschanlage zeugten davon.

Norddeich Sonderfahrt
Fotograf und Jahr unbekannt

Auf dem Zuglaufschild ist der Name zwar abgeschnitten, aber anhand der Nummer des Waggons ist es doch zu bestimmen: Dieser Sonderzug verkehrte zwischen Halle an der Saale und Norddeich.
Wann und aus welchem Anlass er eingesetzt wurde ist mir leider nicht bekannt, aber nach dem Stand der Sonne zu urteilen, fand die Fahrt im Sommer statt.

Norddeich
Negativ von Cramers Kunstanstalt Dortmund, 1958 (Ausschnitt)

NORDDEICH-MOLE (km 6,3)

Norddeich Mole
Ansichtskarte: Verlag M. Gl├╝ckstadt & M├╝nden, Hamburg, ca. 1900

Die Preu├čische Staatsbahn ber├╝cksichtigte den stetig steigenden B├Ąderverkehr auf die Ostfriesischen Inseln (vor allem nach Norderney) mit einer unfangreichen Bauma├čnahme: Um einen problemlosen ├ťbergang zwischen Bahn und Schiff zu erm├Âglichen, erhielt Norddeich eine Hafenmole, an der mehrere Schiffe gleichzeitig Platz fanden. Ein darauf verlegtes Gleis mit Bahnsteig hielt die Wege der Reisenden beim Umsteigen zwischen Zug und Schiff ├Ąu├čerst kurz. Zus├Ątzlich bot ein Gleis dicht an der Kaimauer Platz f├╝r einige offene G├╝terwaggon, mit denen die Bunkerkohle f├╝r die Dampfer geliefert wurde.

Norddeich-Mole
Ansichtskarte ohne Jahr, Verlag Hermann Braams, Norden & Norddeich
Norddeich Mole
Sammelbild, Verlag Eberhard van Ende, Norddeich, ca. 1930

Um die Bequemlichkeit der Reisenden noch weiter zu steigern, erhielt das Gleis im Jahre 1927 kurze Bahnsteighalle. Der G├╝terverkehr machte schlie├člich sogar den Bau eines Bockkranes ├╝ber den Umschlaggleisen am Kai erforderlich.
Aber auch schon damals reisten nicht mehr alle G├Ąste mit der Bahn an: Der Kraftomnibus in der Bildmitte tr├Ągt ein Oldenburger Kennzeichen, ganz links steht ein weiteres Automobil. Die abgebildete 78 391 kam ├╝brigens im Februar 1923 fabrikneu nach Norden und tat hier lange Jahre Dienst.

Norddeich Mole 1928
Foto: Verlag Julius Simonsen, Oldenburg i./H., 1928
Norddeich
Ein Blick ├╝ber Norddeich und Norddeich Mole. Im Vergleich mit dem Bildausschnitt oben f├Ąllt auf, dass das Empfangsgeb├Ąude zwischenzeitlich umgebaut wurde.
Negativplatte von Cramers Kunstanstalt, Dortmund, um 1960 (Ausschnitt)

┬ę Thomas Feldmann, Emden (Ostfriesland)
letzte Änderung 10.09.2023 (erstellt 02.09.2006)