Ostfriesische Küstenbahn

Die Küstenbahn verläuft von Emden über Norden und Wittmund bis zur Haltestelle „Vereinigung“ (in der Karte rot), dort schließt der oldenburgische Streckenteil nach Jever und weiter nach Sande an (grün), der bereits am 15. Oktober 1871 eröffnet wurde. Die am 15. Juni 1883 in Betrieb genommene Strecke wurde zwischen Harsweg und Norden ursprünglich als Nebenbahn am Rande der Landstraße gebaut (in der Karte blau gezeichnet).

Wegen der mit der Lage an der Straße verbundenen Beschränkung der Geschwindigkeit entstand ab 1903 eine weiter westlich gelegene Trasse, die 1906 dem Verkehr übergeben wurde. Gleichzeitig wurde der Anschluss nach Aurich von Georgsheil zu einem neuen Bahnhof verlegt, der erst Finkenburg und später Abelitz genannt wurde.

Die Stationen (nach der Verlegung): Emden, Larrelter Straße (später Emden West, heute Emden Hbf), Hinter Straße (später Hinte-Harsweg, zuletzt Emden-Harsweg), Suurhusen, Loppersum, Finkenburg (heute Abelitz), Engerhafe, Marienhafe, Osteel, Nadörst, Norden, Lütetsburg, Hage, Westerende, Dornum, Roggenstede, Fulkum, Holtgast, Esens, Mamburg, Stedesdorf, Burhafe, Blersum, Uttel, Wittmund, Asel, (Landesgrenze zu Oldenburg), Vereinigung, Jever, Sibethshaus, Heidmühle (heute Schortens-Heidmühle), Ostiem, Sanderbusch, Sande.

Anschlüsse bestehen


Zur Orientierung sind bei den Stationen die Streckenkilometer angegeben. Diese beziehen sich auf den neuen Streckenverlauf und entstammen den Buchfahrplänen Heft 2B (gültig vom 28.05.1972) und Heft 5A (gültig vom 30.05.1965) der Deutschen Bundesbahn.


EMDEN

Emden
Ansichtskarte, gelaufen 1916, ohne Verlagsangabe
Stadtplan (Ausschnitt) aus Fürbringer, „Die Stadt Emden“, Emden 1892

Der Emder Bahnhof lag direkt vor dem Hafen (heute: Alter Binnenhafen) und schloss dort mit einem kurzen Kai ab. Es war daher nicht möglich, Emden zu einem Durchgangsbahnhof zu machen und die Strecke einfach weiterzuführen. So wurde die Küstenbahn bereits kurz vor dem Bahnhof angeschlossen und überquerte das Emder Fahrwasser ein Stück südlich des Eisenbahndocks. – Eine betrieblich sehr unglückliche Lösung: Jeder Zug nach/aus Norden musste rückwärts aus dem Bahnhof heraus- bzw. hineindrücken.


km 0,0

Küstenbahn, km 0,0
Fotografie, 29.03.2014, Thomas Feldmann, Emden

Auch wenn es den Südbahnhof nicht mehr gibt (er befand sich rechts außerhalb des Bildes) beginnt die Küstenbahn immer noch an der alten Stelle. Im Emder Rangierbahnhof, auf Höhe des Ablaufberges, liegt km 348,0 der Strecke aus Münster dem km 0,0 der Strecke über Norden nach Wittmund gegenüber, den hier IC 2018 bei der Fahrt nach Emden Hbf soeben passierte (Hektometertafel am linken Bildrand).


Brücke über das Emder Fahrwasser

Emden, Drehbrücke
Drehbrücke über das Emder Fahrwasser, links geht es Richtung Rangierbahnhof, rechts nach Emden West.

Emden, DrehbrückeUrsprünglich wurde das Emder Fahrwasser quasi an der Grenze zwischen Altem und Neuen Binnenhafen mittels einer Drehbrücke überquert, die auch den Zweiten Weltkrieg überstand. Dass eine Dampflok die Brücke überquert, war damals Alltag: Die meisten Fußgänger haben für die 94 und ihren Zug keinen Blick übrig. Heute stünden etliche Fotografen bereit, um die Szene einzufangen.

Emden, Klappbrücke
Fotografie, 14.09.2004, Thomas Feldmann, Emden

1953 wurde das in seinem Ursprung ja mittlerweile 70 Jahre alte Bauwerk durch eine Klappbrücke ersetzt. Auch diese bekam auf einer Seite einen Fußgängersteg, da es die benachbarte Straßenbrücke noch nicht gab. Seit 1980 ist die Brücke mit Oberleitung versehen, 2019 begannen Arbeiten zur Modernisierung des Antriebes.


Emden, Bü Nesserlander Straße
Foto: Rafael Area Baz, Emden, ca. 1977

Ein paar Meter weiter (der Bunker ist auch im Bild oben zu sehen) kreuzt die Nesserlander Straße. Der Bahnübergang wurde von diesem Postengebäude an der Küstenbahnstraße bedient, das um oder kurz nach 1980 abgebrochen wurde.


LARRELTER STRAßE (km 2,1)
ab 1931: EMDEN WEST
ab 1971: EMDEN Hbf

Emden Stellwerk Ewf
Fotografie, 08.05.2006, Thomas Feldmann, Emden

Am südlichen Bahnhofskopf steht noch das (seit langem arbeitslose) frühere Fahrdienstleiter-Stellwerk Ewf (anfangs hieß es noch Ews). Es wurde am 4. Mai 1937 zusammen mit dem neuen Bahnhof Emden West in Betrieb genommen. Dass das „Hbf“ nachträglich angebracht wurde, um das „West“ zu überdecken, ist noch recht gut zu erkennen.

Emden West (alter Zustand)
Fotografie, 23.10.1932, Ausschnitt, Original im Stadtarchiv Emden

Beim Bau der Küstenbahn wurde am Bahnübergang der Landstraße nach Larrelt eine Haltestelle für den Personenverkehr eingerichtet, so sparten sich viele Reisende den Weg quer durch Emden zum damaligen Bahnhof südlich der Stadt. (Am Rande: „Dr. Kochs Eisenbahn-Stationsverzeichnis“ schreibt „Larrelterstraße“ über Jahrzehnte hinweg konsequent zusammen …) Das Gebäude trägt hier bereits die 1931 geänderte Bezeichnung EMDEN WEST.

Emden West + Klb 1933
Ansichtskarte, Cramers Kunstanstalt Dortmund (CeKaDe), 1933 (Ausschnitt)
Emden West 1940
Ansichtskarte, gelaufen 1940, Verlag Cramers Kunstanstalt, Dortmund

Das niedrige Flachdach-Gebäude mit dem großen Laternenaufbau entstand im Zuge des Umbaus der Haltestelle „Larrelter Straße“ in den Bahnhof „Emden West“, der Rohbau ist auf der Ansichtskarte von 1933 oben rechts bereits zu erkennen. Am 4. Mai 1937 kurz nach 9 Uhr wurde der neue Bahnhof dem Betrieb übergeben. (Das in Emden erscheinende „Blatt der Ostfriesen“ schreibt am 21.07.1939: „Als vor etwa drei Jahren der Umbau begann, haben wir Emder viel erwartet – doch wie wurden wir enttäuscht.“) Das Erdgeschoss ist noch vorhanden, lediglich der Aufbau ist später (nach 1963) abgebrochen worden. Im Hintergrund sind die Gebäude der Kleinbahn zu erkennen.

Bausperre Emden WestDas kleine Gebäude war eigentlich nur als eine mittelfristige Übergangslösung bis zur Fertigstellung eines großen, „repräsentativen“ Empfangsgebäudes gedacht. Dieses sollte etwa dort entstehen, wo sich auch heute das Bahnhofsgebäude befindet. So wurde von der Stadt Emden im Zuge der Vorbereitungen eine vom 30.07.1938 bis zum 31.07.1940 geltende Veränderungssperre für den gesamten Bereich von Bahnhof und Bahnhofsvorplatz erlassen.
Das abgebildete detaillierte Modell des vorgesehenen Empfangsgebäudes stellte die Deutsche Reichsbahn 1939 während der Emder Gewerbeschau „Wille und Leistung Ostfrieslands“ auf ihrem Stand vor.

Emden, projektiertes Empfangsgebäude
Fotografie von 1939 (Ausschnitt), Original im Stadtarchiv Emden
Emden West 1963
Foto aus dem Jahresbericht der IHK für 1963, vor Seite 65

Zum Bau des neuen Bahnhofsgebäudes kam es nicht mehr. Nach Kriegsende wurden die Schäden an den vorhandenen Anlagen bald beseitigt, viel mehr geschah aber nicht. Und noch 1963 bemängelt die Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg, die Verhältnisse an den Emder Bahnhöfen seien „eine Beleidigung für die Seehafenstadt Emden“.

Emden West
Der Mittelbahnsteig von Emden West im Jahr 1968 (Foto: „friro“ über digit.wdr.de)
Emden Hbf
Fotografie, 13.08.2005, Thomas Feldmann, Emden

Schließlich wurde den Verhältnissen doch abgeholfen. Die feierliche Grundsteinlegung für das neue Empfangsgebäude fand am 1. Juli 1971 statt, bereits am 24. Mai 1973 konnte es eröffnet werden. Im Zuge dieser Umgestaltung erhielt der Bahnhof am 26.09.1971 die Bezeichnung „Emden Hbf“ und der Südbahnhof wurde aufgegeben.
Kurze Zeit später beziehen auch das Bahnhofsbüro, das Eisenbahnbetriebsamt und die Generalvertretung der DB ihre neuen Räume.

Emden Stellwerk Ewn
Fotografie, 15.12.2007, Thomas Feldmann, Emden

Das ehemalige Stellwerk Ewn steht an der Ausfahrt Richtung Norden, direkt am Larrelter Tief. Hier ist heute das Domizil der Eisenbahnfreunde Emden e. V. Leider kommt es immer wieder zu Schäden durch Vandalismus (daher die wenig attraktiven geschlossenen Rolläden).

Emden Hbf, Luftbild 2010
Emden Hbf aus der Vogelschau, aufgenommen am 10.07.2010. Foto „Bin im Garten“ auf Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

HINTER STRAßE (km 5,7)
ab 1905: HINTE-HARSWEG
ab 1945: EMDEN-HARSWEG

Emden-Harsweg 1967
Der Bahnhof Emden-Harsweg 1967 (Bitte beachten: Der Plan ist verzerrt. Maßstab in der Breite 1:1000, in der Länge aber 1:3000.)

Nördlich Emdens wurde an der Landstraße nach Hinte ebenfalls ein Haltepunkt eingerichtet (deren Namen „Dr. Koch“ noch in einem Wort schreibt: „Hinterstraße“), hier wurde zusätzlich in beschränktem Umfang auch Gepäck abgefertigt. Zum 1. Mai 1905 wurde der Name von „Hinter-Straße“ in „Hinte-Harsweg“ geändert. 1933 wird die Station dann schon in die Bahnhofsklasse IV eingeordnet. Mit der Eingemeindung Harswegs nach Emden im Jahre 1945 änderte sich der Name erneut und noch in den 1970er Jahren besteht hier ein zweigleisiger Bahnhof (Gleisplan oben).

Emden-Harsweg 2006
Fotografie, 01.05.2006, Thomas Feldmann, Emden

Das Gebäude des früheren Stellwerks „Enf“ am Bahnübergang der Landesstraße ist heute noch vorhanden.


SUURHUSEN (-) und LOPPERSUM (km 9,6)

Topographische Karte 1:25.000, Blatt 1105, Ausgabe 1893, Ausschnitt

„Alte“ und „neue“ Küstenbahn im Bereich Suurhusen und Loppersum. Die Eisenbahnstrecke lag bis Anfang des 20. Jahrhunderts noch auf dem Seitenstreifen der Landstraße Emden – Aurich, mit einem Haltepunkt in Suurhusen und einer Haltestelle in Loppersum. Der Verlauf der neuen Strecke ist zum Vergleich rot eingezeichnet.

Suurhusen
Ansichtskarte ohne Verlagsangabe, Poststempel 1906.

Die „Station Suurhusen“ (oben rechts) bestand nur aus einem Haltepunkt nahe der Kirche, an dem Güter gar nicht abgefertigt wurden und selbst Gepäck nur in beschränktem Maße.

Loppersum
Ansichtskarte, Verlag Rolf Rieke, Hannover, herausgegeben 1904

In Loppersum sah es bis 1906 nicht viel anders aus. An der Einmündung der Loppersumer Straße in die Chaussee Emden – Aurich wurde eine Haltestelle eingerichtet, die Agentur übernahm die dortige Gastwirtschaft. Loppersum war aber für den Güterverkehr (sogar international) unbeschränkt geöffnet und besaß eine Eisenbahn-Telegraphenstation.

Suurhusen musste sich nach der Streckenverlegung mit einer Haltestelle begnügen (die zum 13.09.1966 aufgehoben wurde), während Loppersum einen richtigen Bahnhof an der Straße nach Wirdum erhielt. Auch dort halten mitlerweile keine Züge mehr, das Empfangsgebäude (unten links) ist aber erhalten und in Privatbesitz.

Loppersum
Ansichtskarte, Verlag Rolf & Co., Hannover, 1912

FINKENBURG (km 14,8)
ab 1909: ABELITZ

Finkenburg
Foto: Thomas Feldmann, 10.04.2020

Direkt an der Chaussee von Emden nach Georgsheil, der heutigen Bundesstraße, liegt die frühere Gaststätte Finkenburg (auch Finkenburgshof). Hier wurde eine Haltestelle für die Bewohner der umliegenden Marschen eingerichtet. Seit der Verlegung der Küstenbahn halten hier keine Züge mehr, aber eine Haltestelle Finkenburg gibt es hier für Busse immer noch.

Finkenburg
Topographische Karte 1:25.000, Blatt 1105, Ausgabe 1906, Ausschnitt

Mit dem Bau der neuen Küstenbahn entstand auch ein neuer Abzweigbahnhof für die Strecke nach Aurich, der nach der bisherigen Haltestelle die Bezeichnung „Finkenburg“ erhielt (beide rot markiert).
Es heißt, der Wirt des Gasthofes hätte gegen die Namensgebung Einspruch erhoben. Er soll befürchtet haben, es könne zu für ihn nachteiligen Verwechslungen zwischen seiner Wirtschaft und der neuen Bahnstation kommen. Jedenfalls wurde der Bahnhof zum 1. Mai 1909 in Abelitz umbenannt.

Abelitz
Ansichtskarte, gelaufen 1909, ohne Verlagsangabe

Auf diesem Foto trägt die Station noch die Bezeichnung „Finkenburg“. Die Küstenbahn ist erst kurz zuvor auf ihrer neuen Trasse in Betrieb gegangen, das Empfangsgebäude ist auch noch ganz neu. 1909 prangte aber bereits der Name „Abelitz“ an der Fassade, wie der Absender dieser Postkarte entsprechend ergänzt hat.

Abelitz 2007
Fotografie, Thomas Feldmann, 06.05.2007

Das Bahnhofsgebäude steht schon lange nicht mehr. Das heutige Fahrdienstleister-Stellwerk ist ein einfacher Trapezblechbau (am rechten Bildrand). Der Blick geht Richtung Norden.


ENGERHAFE (km 17,7)

Engerhafe
Ansichtskarte, gelaufen 1903, Verlag J. Fischer, Norden

Um die vorletzte Jahrhundertwende: Noch verläuft die Küstenbahn an der Chausse Georgsheil – Norden und der Bahnbetrieb wird von einer Agentur besorgt, die im Gehöft direkt an der Strecke betrieben wird.

Engerhafe
Ansichtskarte, gelaufen 1955, Verlag Walter Jappe, Lübeck

Nach der Verlegung der Strecke bekommt auch Engerhafe einen neuen Bahnhof (unten links).


MARIENHAFE (km 22,2)

Marienhafe
Ansichtskarte, Verlag O. G. Janssen, Marienhafe, ca. 1895

Marienhafes erster Bahnhof befand sich südöstlich des Ortes im Bereich des heutigen Baumarktes. Die Küstenbahn verließ hier die Chaussee und verlief östlich um Marienhafe herum, um sich nördlich des Ortes wieder mit der Straße zu vereinigen.

Marienhafe
Zeichnung von J. E. Ahlrichs, der Blick geht nach Norden
Marienhafe
Ansichtskarte ohne Jahr und Verlag

Entsprechend der Bedeutung des Ortes entstand bei der Streckenverlegung wieder ein mehrgleisiger Bahnhof mit einem größeren Empfangsgebäude (unten links).


OSTEEL (km 25,3)

Osteel
Ansichtskarte, gelaufen 1901, Verlag J. Fischer, Norden

Auch in Osteel fand die Agentur der Bahn ihren Platz in einem bereits vorhandenen Gebäude. Hier war es Seebergs Gasthof, der direkt an der Chaussee Georgsheil-Norden (an der Einmündung des Moortunweges) lag.
Nach der Streckenverlegung befand sich die Haltestelle beim Bahnübergang Altendeichsweg, 1916 wurde dort ein Bahnhofsgebäude errichtet, das zum 07.12.1978 geschlossen wurde. Seitdem halten hier keine Züge mehr.
Ab 1938 entstanden hier eine Blockstelle und ein zweites Gleis, um die Zugfolge etwas verdichten zu können. Nach der Aufhebung zum 16.12.1982 wurde beides wieder abgebaut.

Osteel 1957
Liegenschaftskarte der Deutschen Bundesbahn, Stand 1957 (Ausschnitt)

NADÖRST

Nadörst bekam eine Haltestelle an der Einmündung der Nadörster Straße. Diese Kreuzung befand sich damals noch etwas weiter nördlich, etwa gegenüber der heutigen Buchdruckerstraße. Auch an der neuen Strecke wurde eine Haltestelle eingerichtet, der Bahnhofsweg zeugt noch davon.
Der Name Nadörst bleibt auch verbunden mit dem wohl ersten tödlichen Unfall Ostfrieslands, an dem die Eisenbahn (außerhalb ihres Baues) beteiligt war.


NORDEN (km 30,4)

Norden
Ansichtskarte, gelaufen 1914, Verlag Wilhelm Luttmann, Norden

Norden erhielt einen vergleichsweise großen Bahnhof etwas außerhalb der Stadt in Süderneuland. Eine kleine Betriebswerkstätte ermöglichte hier zusätzlich die Versorgung der Lokomotiven.
Auch wenn die heutige Situation in Norden und sämtliche Fahrpläne anderes glauben machen wollen: Die Küstenbahn biegt hier nach Osten ab (in Richtung Hage), die Verlängerung nach Norddeich ist ja im Ursprung lediglich eine nachträglich entstandene Stichstrecke.

Bahnhof Norden, 2008
Fotografie, 21.08.2008, Thomas Feldmann, Emden

August 2008: Es ist dasselbe Gebäude, auch wenn es seit dem um 1970 vorgenommenen Umbau kaum noch zu erkennen ist. Im Frühjahr 2011 wurde dieser Torso teilweise abgebrochen, die Reste schließlich Ende März/Anfang April 2016 entfernt.

Bahnhof Norden, 2012
Fotografie, 17.06.2012, Thomas Feldmann, Emden

Beim Abbruch kamen auch Wandbemalungen aus der Erbauungszeit für kurze Zeit wieder ans Tageslicht.

Bereits am 15.09.2006 wurde der Grundstein für ein neues Bahnhofsgebäude gelegt, dass etwas weiter Richtung Stadt entstand und am 30.04.2007 offiziell eingeweiht wurde.


Berumerfehnkanal und Heerstraße, Norden (bei km 31,0)

Norden, Berumerfehnkanal
Ansichtskarte, Verlag Hermann Braams, Norden & Norddeich, 1909

Blick aus Richtung Osten auf die Eisenbahn-Drehbrücken über den Berumerfehnkanal.
Am rechten Bildrand ist noch die heutige Heerstraße zu erkennen (vgl. das nächste Bild), dazu die Frisiamühle (Mitte) und die Deichmühle (links).

Norden, Heerstraße
Ansichtskarte, datiert 1902, Verlag Georg Kugelmann, Hannover

Rechts oben ist der Bahnübergang im Zuge der Heerstraße abgebildet (Blick von der anderen Seite der Bahn in die Gegenrichtung). Rechts geht es zum Bahnhof Norden, links folgt nach einigen Kilometern Hage. Im Hintergrund ist die Ölmühle zu sehen.

Berumerfehnkanal, Norden
Foto von etwa 1955 (Archiv Medienzentrum Norden, mit dessen freundlicher Genehmigung)

Rund 50 Jahre später hat sich hier noch allzuviel geändert. Der Fotograf stand etwas weiter rechts, so dass die Heerstraße hier links außerhalb des Bildes liegt und dafür der Berumerfehnkanal das Bild bestimmt. Das Stellwerk Nn (rechts der Bildmitte) bediente den Abzweig der Strecke nach Norddeich von der Küstenbahn und die beiden Drehbrücken.

Gleisplan Norden
Aussschnitt aus einem Gleisplan des Norder Bahnhofes, Rbd Münster (Westf.) 1929

LÜTETSBURG

Hier bestand zeitweise ein Haltepunkt, der zum 27.05.1962 aufgehoben wurde.


HAGE (Ostfriesl) (km 37,3)

Hage
Negativplatte, Cramers Kunstanstalt, Dortmund, 1962 (Ausschnitt)

Unter der extremen Ausschnittsvergrößerung leidet die Bildqualität leider selbst dann, wenn man von einem großformatigen Negativ scannt, aber dies ist derzeit die einzige Ansicht des Hager Bahnhofes in meiner Sammlung.


WESTERENDE (Ostfriesl) (km 43,1)


DORNUM (Ostfriesl) (km 48,0)

Dornum
Ansichtskarte, Verlag Ernst Bröske, Dornum, ca. 1900

Der Wasserturm des Dornumer Bahnhof zeugte von der Sparsamkeit der Preußischen Staatsbahn: Der Behälter wurde kostengünstig mit Windkraft befüllt.

Dornum
Dornum im April 1990. Foto: Thomas Feldmann

Vom Dornumer Bahnhof war 1990 nicht mehr viel übrig, dabei war er erst um 1970 mit Ausfahrsignalen ausgestatten worden. Das Empfangsgebäude wurde Ende 1979 abgebrochen, nachdem der Bahnhof zu einer unbesetzten Haltestelle herabgestuft worden war.

Dornum, Ende der Strecke
Trasse der Küstenbahn, Blick von Dornum nach Osten im April 1990. Foto: Thomas Feldmann

Der Personenverkehr Norden-Esens wurde am 28. Mai 1983 eingestellt, der Abschnitt zwischen Dornum und Esens Anfang 1986 abgebaut, dreieinhalb Jahre später endete auch der restliche Betrieb.
Der Verlauf zwischen Dornum und Esens ist aber bis heute im Gelände noch gut erkennbar.


ROGGENSTEDE (km 51,2)

Roggenstede
Fotografie 1977, Dieter Maul, Moormerland

Wie an so vielen Haltestellen mussten den Reisenden auch hier ein einfacher, niedriger Bahnsteig und ein Überweg aus Holzbohlen reichen. Immerhin konnte Roggenstede Ende der 1970er Jahre mit einem Haltestellenschild im damals aktuellen Design aufwarten und auch der Fernsprechkasten (noch einer aus Stahlblech) wirkt gepflegt.

Roggenstede
Sommerfahrplan 1977
Roggenstede
043 315-1 und ein Waggon

Die 043 315-1 auf dem Weg nach Norden. Dieter Maul (der mir freundlicherweise die Fotos zur Verfügung stellte) schreibt dazu: „Während der Studienzeit an der Fachhochschule Ostfriesland war ich (als Hesse) neugierig auf Land und Leute und fotografierte alles, was mir vor die Linse kam. Einmal fuhr ich mit meinem Bruder, der mich besuchte, übers Land. An der einsamen Haltestelle stiegen wir aus. Als wir die Lok sahen, schoss ich einige Fotos, eilte zum Auto, wir gaben Gas, um die Lok einzuholen. Da die Schienen parallel zur Straße verlaufen, holten wir den Zug schnell ein und fuhren mit gleicher Geschwindigkeit neben dem fauchenden Koloss her. Dabei entstanden diese beeindruckenden Fotos. Schade, dass es kein Film geworden ist!“
Mit der zu befördernden Last dürfte die Einheitslok keine Schwierigkeiten gehabt haben, eher der Oberbau mit der für die Küstenbahn eigentlich zu hohen Achslast der Reihe 44.


FULKUM (km 54,5)

Fulkum
Ansichtskarte ohne Jahr, Verlag W. Bindseil & Sohn, Hamburg

Die Haltestelle Fulkum war wenigstens ein klein wenig komfortabler als die von Roggenstede: Gleich neben der Strecke lag eine Gastwirtschaft, die auch als Bahnagentur fungierte.


HOLTGAST (km 57,8)

Holtgast, Fahrplan 1974
Der Aushangfahrplan von Holtgast für den Sommerfahrplan 1974.

Ursprünglich diente die Haltestelle Holtgast nur dem Güterverkehr. Ab dem 1. Juni 1912 hielten hier auch Personenzüge, zunächst vier in der jeder Richtung, an Werktagen ein weiterer von Wittmund nach Norden.


ESENS (km 60,3)

Esens
Ansichtskarte, Verlag Reinicke & Rubin, Dresden, 1908
Esens
Ansichtskarte, Verlag A. Küster, Esens, gelaufen 1902

Ein Blick auf den Bahnsteig und einen wartenden Zug nach Norden.
Auch in Esens stand eine der früher offensichtlich allgegenwärtigen Laternen mit eckigem, weiß gestrichenem Holzpfosten.

Esens
Ansichtskarte, Verlag M. Glückstadt & Münden, Hamburg, gelaufen 1914

Die östliche Einfahrt des Bahnhofes Esens, der seit dem 8. September 1905 über Einfahrsignale verfügte. Das Bahnhofsgebäude zeigt sich hier am linken Bildrand, leider nur angeschnitten. Hinter den Signalen ist das Bahnhofshotel zu erkennen, an dem die Kleinbahn Leer-Aurich-Wittmund eine Haltestelle unterhielt.

Esens
Negativ von Cramers Kunstanstalt Dortmund, 1966 (Ausschnitt)

Blick aus der Gegenrichtung: Dieses Luftbild von 1966 gibt einen guten Überblick über den Esenser Bahnhof (Bildmitte) mit der quer durchs Bild verlaufen Küstenbahn. Auch das oben bereits erwähnte Bahnhofshotel ist mit seiner hellen Fassade gut zu erkennen. Oben rechts kommt die Kleinbahn Leer-Aurich-Wittmund aus Richtung Ogenbargen, die unten links nach Esens Kleinbahnhof und weiter nach Bensersiel verläuft.
Der Bahnhof existiert in dieser Form nicht mehr, heute gibt es am Ende der Strecke nur noch einen Haltepunkt, der sich zudem jenseits der Bahnhofstraße (also am linken Bildrand) bei km 60,6 befindet.


MAMBURG (km 62,4)

Fahrplan Mamburg

Der Winterfahrplan 1974/75 ist schon recht übersichtlich: An Werktagen hält ein Zug je Richtung. Ansonsten besorgen ein paar Busse den Verkehr und die halten auch noch woanders (nämlich im Ort am Gasthof Nobiskrug, wie das Sternchen in der Spalte Gleis angibt).


STEDESDORF (km 64,2)

Stedesdorf
Ansichtskarte, gelaufen 1905, Verlag Adolf Thumann, Wittmund

Diese schöne gestaltete Ansichtskarte der vorletzten Jahrhundertwende zeigt ein fast typisches Bild eines ostfriesischen Eisenbahn-Haltepunktes (vgl. Osteel), wie er oft neben einem Bahnübergang eingerichtet wurde: Eine Laterne mit Haltestellenschild musste reichen, als Bahnsteig diente eine niedrige Aufschüttung und der Gasthof Sneider versah nebenbei die Dienste als Bahnagent. Immerhin wickelte die Agentur in Stedesdorf einen – wenn auch sehr eingeschränkten – Frachtverkehr ab.
Der Gasthof existiert noch heute, nur Züge halten hier nicht mehr.


BURHAFE (Ostfriesl) (km 67,9)

Burhafe
Ansichtskarte, Verlag Otto Schmidt, Wittmund, etwa 1910

Die Haltestelle Burhafe wird zum 27.09.1987 aufgehoben. Erst die NordWestBahn richtet hier wieder einen Halt ein, der ab dem 9. Dezember 2005 bedient wird.


BLERSUM (km 70,3)

Blersum
Ansichtskarte, Verlag Otto Schmidt, Wittmund, etwa 1910

Wie so viele Haltepunkt musste sich auch Blesum mit einer Agentur begnügen, die von der nahen Gastwirtschaft betrieben wurde.


UTTEL (km 72,3)


WITTMUND (km 73,7)

Wittmund
Ansichtskarte, gelaufen 1940, Verlag Walter Böhning, Leer

Das Empfangsgebäude der Staatsbahn mit einem Zug aus Norden. Die Kleinbahn Leer-Aurich-Wittmund hatte ihren Bahnhof auf der anderen Straßenseite, so dass der Übergang zwischen beiden Bahnen problemlos möglich war.

Wittmund
Ansichtskarte, Verlag CeKaDe, 1973 (Bildfreigabe 1968, Ausschnitt)

Rund dreißig Jahre später entstand dieses Luftbild für Cramers Kunstanstalt in Dortmund. Die Kleinbahn gibt es mittlerweile nicht mehr, aber deren Empfangsgebäude steht noch und auf dem Bild ist gut zu erkennen, wie gering der Abstand war.


ASEL (km 76,2)


VEREINIGUNG.

Vereinigung
Foto: Helmut Zimmermann, Petkum

Die Haltestelle Vereinigung mit Blick in Richtung Jever, das in der Ferne schon zu sehen ist. Dort, wo westlich von Jever die preußische und die oldenburgische Staatsbahn aneinanderstießen, wurde eine Haltestelle mit dem sinnigen Namen „Vereinigung“ eingerichtet. Der Betrachter befindet sich bereits im früheren Großherzogtum, die Grenze liegt gut 100 m hinter ihm.


JEVER (km 13,3 / 81,0)

Jever
Ansichtskarte, gelaufen 1908, Verlag Andreas Flitz, Jever

Jever bekam, als bedeutende Stadt und Hauptort des Jeverlandes, ein durchaus repräsentatives Empfangsgebäude.
Ein interessantes Detail ist die Weichenlaterne in hoher Ausführung im Vordergrund.

Jever, Bahnhofsgaststätte
Ansichtskarte, Verlag J. B. Feilner, Oldenburg, gelaufen 1900

Ein Muss für jeden „richtigen“ Bahnhof war früher eine ansprechende Bahnhofsgaststätte, in der man sich während längerer Aufenthalte nicht nur aufwärmen konnte, sondern die auch über eine gute Wirtschaft verfügte. Es war zwar nicht die Regel aber auch nicht ungewöhnlich, längere Reisen zur Mittagszeit zu unterbrechen, um in einem Bahnhof eine Mahlzeit zu sich zu nehmen und mit einem späteren Zug weiterzufahren. Gefahr, seine Reisemöglichkeit zu verpassen, bestand nicht: Natürlich wurde abfahrbereite Züge nicht nur auf dem Bahnsteig, sondern auch in den Wartesälen und Bahnhofswirtschaften aufgerufen.


SIBETHSHAUS (km 10,0)


HEIDMÜHLE (km 8,3)
heute SCHORTENS-HEIDMÜHLE

Heidmühle, Bahnübergang
Ansichtskarte, gelaufen 1940, Verlag Ernst Dernbusch, Rüstringen

Die Station entstand etwa 1,5 Kilometer außerhalb von Schortens nahe der damals noch vorhandenen Heidemühle, nach der auch der Name gewählt wurde.
Ein Blick aus Richtung Westen über den Bahnübergang Jeversche Straße zum Bahnhof.

Heidmühle
Ansichtskarte, gelaufen 1958, Verlag Kuhlmann, Bremerhaven

Erst durch die Anlage von Wilhelmshaven entwickelte sich am Bahnhof eine größere Siedlung, bis die Lücke zwischen Schortens und Heidmühle schließlich zuwächst. In den späten 1990er Jahren wird der Name den politischen Gegebenheiten angepasst: Heidmühle ist nur Ortsteil von Schortens.


OSTIEM (km 6,7)

Messtischblatt Jever
Topographische Karte 1:25.000, Blatt 1017, Ausgabe 1906, Ausschnitt

Wie Schortens hatte auch Groß Ostiem zunächst Hoffnung, als Standort für den Bahnhof ausgewählt zu werden, zumal die Bahnstrecke nach der endgültigen Planung direkt am Ort vorbei führte. Als es dann Heidmühle wurde, wo es nicht mal eine richtige Ortschaft gab, war die Enttäuschung groß. Immerhin wurde an der Straße zwischen Groß und Klein Ostiem eine Haltestelle geschaffen, die von 1884 bis zum 01.05.1982 bestand.


Brücke Ems-Jade-Kanal (km 2,7)

Sanderbusch, Drehbrücke
Ansichtskarte, gelaufen 1934, Verlag Bültmann & Gerriets Nachf., Varel

Etwa 400 m nordwestlich der Haltestelle Sanderbusch kreuzt die Strecke den Ems-Jade-Kanal. Daher wurden an dieser Stelle eine Drehbrücke und ein Wärterhaus errichtet.

Sanderbusch, Bauschild
Fotografie, 27.05.2007, Thomas Feldmann, Emden

Im Jahr 2006 begannen hier Bauarbeiten, da die abgängige Drehbrücke durch eine Klappbrücke ersetzt werden sollte. Der auf dem Bauschild genannte Fertigstellungstermin wurde allerdings nicht eingehalten.

Sanderbusch, Brückenbaustelle
Fotografie, 27.05.2007, Thomas Feldmann, Emden

Für den Neubau wurden die Gleise verschwenkt und mittels einer Behelfsbrücke über den Ems-Jade-Kanal geführt. Diese wurde sogar als Klappbrücke ausgeführt, um den Kanal befahrbar zu halten. Am rechten Bildrand sind schon die neuen Widerlager zu sehen.


SANDERBUSCH (km 2,3)

Sanderbusch
Fotografie, 27.05.2007, Thomas Feldmann, Emden

Das Empfangsgebäude ist 2007 verschlossenen und steht bereits seit längerer Zeit leer. Direkt daneben – rechts außerhalb des Bildes – befindet sich der neue, modern gestaltete Bahnsteig. Das Wartehäuschen ist am Bildrand gerade noch zu erkennen.


SANDE (km 0,0)

Sande
Ansichtskarte, Verlag Bültmann & Gerriets Nachf., Varel, gelaufen 1902

Wie in vielen Fällen befindet sich auch der Sander Bahnhof weit außerhalb der Stadt. Dafür entstand hier an der Verzweigung der Strecken nach Wilhelmshaven und nach Esens ein recht imposantes Empfangsgebäude.

Sande
Ansichtskarte, ca. 1960, Verlag Horst Schmidt, Wilhelmshaven

1939 machte die Deutsche Reichsbahn sich daran, den oldenburgischen Bahnhof zu ersetzen. Es entstand ein dem Zeitgeschmack entsprechender, imposanter Klinkerbau, der 1940 eingeweiht werden konnte. Das Gebäude (links oben) ist noch vorhanden, befindet sich aber heute in Privatbesitz und beherbergt unter anderem ein Hotel.


© Thomas Feldmann, Emden (Ostfriesland)
letzte Änderung 01.06.2020 (erstellt 30.07.2006)