Zeittafel 1825-1899

1825

M├Ąrz: Friedrich Harkort ver├Âffentlicht in der westf├Ąlischen Zeitschrift „Hermann“ einen Aufsatz, in dem er die Bedeutung von Eisenbahnstrecken – insbesondere eine Verbindung des Rhein-Ruhr-Raumes mit den deutschen Nordseeh├Ąfen – f├╝r die deutsche Wirtschaft darstellt: „Die Eisenbahnen werden manche Revolutionen in der Handelswelt hervorbringen. Man verbinde Elberfeld, K├Âln und Duisburg mit Bremen oder Emden, und Hollands Z├Âlle sind nicht mehr.“
Die weiteren Gedanken konzentrieren sich dann aber auf Bremen, da die Weser (├╝ber die Lippe) einfacher mit dem Rhein zu verbinden ist, als die Ems.


1841

Der Bau einer Eisenbahnstrecke Ostfriesland-Oldenburg-Bremen wird vom Gewerbeverein der Provinz Ostfriesland angeregt. Die Ausf├╝hrung scheitert am Widerstand des Gro├čherzogtums Oldenburg.


1842

Juni: Die ostfriesische St├Ąndeversammlung er├Ârtert in einem Schreiben an die hannoversche Regierung, ob und auf welche Weise die H├Ąfen Emden und Leer an die C├Âln-Mindener-Eisenbahn angeschlossen werden k├Ânnten.


1843

Die Eisenbahn nach Bremen wird wieder ins Gespr├Ąch gebracht. Der Emder Gewerbeverein konzentriert sich dann aber auf eine Bahnverbindung nach Lingen und von dort nach M├╝nster und Osnabr├╝ck.
13.03.: Die K├Âniglich Hannoversche Eisenbahndirektion wird eingerichtet.
10.-13.05: Die ostfriesische Landrechnungsversammlung ber├Ąt u.a. auch ├╝ber w├╝nschenswerte Bahnstrecken.


1844

Januar: Ein Herr C. Sch├╝t (wohl der Emder Holzh├Ąnder Carl Sch├╝t) gibt ein Gutachten heraus, in dem die Notwendigkeit einer Eisenbahn herausgestellt wird, „welche l├Ąngs der Ems nach Lingen gehend und sich von hier nach Osnabr├╝ck und M├╝nster verzweigend, den Wohlstand dreier Provinzen, Ostfriesland, Arenberg-Meppen und Osnabr├╝ck, sichern w├╝rde.“
10.-17.05. Auf der Landesrechnungsversammlung zu Aurich wird wieder auch ├╝ber eine Eisenbahn nach Ostfriesland beraten. Abschlie├čend wird an das Kabinett in Hannover eine entsprechende Eingabe gerichtet, in der die Wichtigkeit einer Bahn dargestellt wird.
01.07.: Die ostfriesischen St├Ąnde bewilligen die finanziellen Mittel f├╝r die Untersuchung des Baugrundes einer Strecke nach Vorschlag Sch├╝t und genehmigen die Anwendung des Bodenenteignungsgesetzes f├╝r den Bau dieser Bahn.
August: Das K├Ânigreich Hannover genehmigt „im allgemeinen die Errichtung einer Aktien-Bahn von Emden und Lingen auf M├╝nster und von Lingen und Osnabr├╝ck auf B├╝nde.“
Au├čerdem: Gegen Ende des Jahres wird in Aurich ein „interimsisches Eisenbahn-Comit├ę f├╝r Ostfriesland“ gegr├╝ndet.


1845

Januar: Eine Versammlung der Anliegergemeinden der k├╝nftigen Eisenbahn in Papenburg w├Ąhlt ein General-Comit├ę, dass sich um die Konzession f├╝r eine Eisenbahn von Emden nach Rheine bem├╝hen soll, als Sitz wird Aurich bestimmt. Von einer weiterf├╝hrenden Konzession wird zun├Ąchst abgesehen, da Osnabr├╝ck die Teilnahme an dieser Versammlung verweigert und eigene Pl├Ąne verfolgt.
M├Ąrz: Eine Deputation des General-Comit├ęs reist zur Regierung nach Hannover. Dortige Gesch├Ąftskreise bevorzugen aber eine Bahnlinie Hannover – Niederlande (vor allem Zwolle) und sehen in der „Nord-S├╝d-Eisenbahn“ eine unliebsame Konkurrenz, die sich allenfalls an die sogenannte Overijsselsche Bahn h├Ątte anschlie├čen d├╝rfen. Vor allem ein niederl├Ąndisch-englisches Konsortium versucht, eine Konzession f├╝r eine Eisenbahn Harlingen-Groningen-Leer-Oldenburg-Bremen-Hamburg-L├╝beck zu erhalten. Die ostfriesischen Interessenten machen jedoch Ernst: Die Stadt Emden stellt eine Beteiligung von 500.000 Reichsthalern in Aussicht, die Ostfriesische Landschaft ebenfalls 500.000 Rthl., Leer 100.000 Rthl. und Papenburg 50.000 Rthl. Das Emder Unternehmen Y. & B. Brons ist bereit, die gesamte veranschlagte Summe von 8 Millionen Thalern ohne Bedingungen als Baukapital zu garantieren (!), lediglich vorbehaltlich der Baugenehmigung durch die Regierung.
April: Die Zeitung „Groninger Courant“ berichtet, der Plan die Overijsselsche Bahn nach Hannover fortzusetzen sei durchaus gelungen und eine ostfriesische Eisenbahn damit g├Ąnzlich ├╝berfl├╝ssig.
Fr├╝hjahr: Unter Leitung der Ingenieuroffiziere Anton Heinrich Dammert und Victor Lebrecht Prott wird die Strecke Emden-Papenburg vermessen.
23.06.-04.07.: Die Regierung des K├Ânigreiches Hannover ruft Vertreter des Ostfriesischen und des mittlerweile gebildeten Osnabr├╝cker Eisenbahn-Comit├ęs nach Hannover, um einen Ausgleich der unterschiedlichen Interessen zu erreichen. Schlie├člich bilden beide Gruppen ein „Generalcomit├ę zur Begr├╝ndung einer Aktiengesellschaft behuf Anlage von Eisenbahnen von Emden ├╝ber Leer und Lingen zur preu├čischen Grenze auf M├╝nster und von Lingen ├╝ber Osnabr├╝ck zur preu├čischen Grenze auf B├╝nde“, welches die Konzession f├╝r die genannten Strecken erh├Ąlt. Der Ingenieur-Capit├Ąn A. H. Dammert ver├Âffentlicht nach abgeschlossenen Vorarbeiten in Emden eine „Uebersichts-Karte der Nord-S├╝d-Eisenbahn von Emden bis Rheine“, die neben einer Darstellung des Streckenverlaufes bereits einen sehr detaillierten Kostenvoranschlag (von der Beschaffung der ben├Âtigten Fl├Ąchen ├╝ber die Betriebsmittel bis hin zur „Einfriedung der Bahn“) f├╝r den Bau enth├Ąlt, f├╝r den Abschnitt Emden-Rheine insgesamt 4.056.497 Rthl., umgerechnet 216.347 Rthl. pro Meile.


1846

03.02.: Die Ostfriesischen St├Ąnde erhalten ein Schreiben der Regierung, wonach die Eisenbahn ab Emden auf M├╝nster und der Anschluss an die C├Âln-Mindener Eisenbahn auf Staatskosten gebaut werden sollen. Ende des Monats bezeichnet ein k├Ânigliches Schreiben den Bau der „Eisenbahnen von Emden ├╝ber Leer, Meppen und Lingen, und von Lingen einerseits bis an die preu├čische Grenze in der Richtung auf M├╝nster“ als „rathsam und unvermeidlich“, die Strecken w├╝rden „bald angelegt“. Einschlie├člich Betriebsmittel werden f├╝r die Westbahn 7.730.454 Rthl. veranschlagt. Mit Datum 03.03.1846 schlie├čen die K├Ânigreiche Hannover und Preu├čen einen „Vertrag ├╝ber den Anschluss der hannoverschen Westbahn an preu├čische Eisenbahnen“. Hier wird auch festgelegt, dass der (damalige) Emder Hafen einen Anschluss erh├Ąlt, der leichtes Umladen erm├Âglicht.
Juni: Der Emder Kaufmann Ysaac Brons ver├Âffentlicht unter dem Titel „Ueber die Handels-Zust├Ąnde der Ems-H├Ąfen Emden und Leer und ├╝ber die Hannoversche West-Eisenbahn“ eine Denkschrift ├╝ber die f├╝r Ostfriesland w├╝nschenswerten Eisenbahnstrecken, die bereits in etwa den Verlauf der sp├Ąter tats├Ąchlich ausgef├╝hrten Strecken aufweisen.
Juli: Das Gesetz ├╝ber den Bau einer Hann├Âverschen Westbahn wird in mehreren Abstimmungsdurchg├Ąngen von beiden Parlamentskammern verabschiedet. Die Arbeiten sollten im Fr├╝hjahr 1847 beginnen, da die notwendigen Techniker bis dahin an anderen Strecken besch├Ąftigt waren. Als Fertigstellungstermin war der Juli 1850 vorgesehen, die Gesamtkosten sollten sich auf 7.265.628 Rthl. belaufen.
06.08.: Die St├Ąndeversammlung des K├Ânigreichs Hannover beschlie├čt den Bau der Westbahn, die entsprechende Genehmigung der Regierung folgt, so dass die Bahn als „mithin in den n├Ąchsten Jahren sicher zu erwarten“ gilt.
22.12.: Ein Artikel in der Ostfriesischen Zeitung bekr├Ąftigt noch einmal, dass mit dem Bau der Westbahn im Fr├╝hjahr 1847 begonnen werden w├╝rde. Die Eisenbahn-Direction sei angewiesen worden, die an den Strecken Hannover-Bremen und Hannover-Harburg eingesetzten Techniker bereits „disponibel zu halten“. Zum Bau kommt es aber zun├Ąchst nicht, da die Zinsen f├╝r Baukapital in den folgenden Jahren unerwartet hoch liegen.


1847

Im „Journal f├╝r die Baukunst“ wird der Aufsatz „├ťber das Eisenbahnnetz der westlichen Theile von Hannover und Preussen, und dessen Anschluss an die Bahnnetze der angrenzenden L├Ąnder“ von Dr. Reinhold, Leer, ver├Âffentlicht. Die Hannoversche Westbahn wird dort bereits sehr konkret dargestellt.


1848

04.04.: Das K├Âniglich Hannoversche Gesamtministerium schreibt den Ostfriesischen St├Ąnden, dass derzeit finanzielle Bedenken die Westbahn unausf├╝hrbar machten und ├╝berhaupt die Vorbedingungen (die sichere Planung der Weiterf├╝hrungen der Bahn nach M├╝nster und bis zur C├Âln-Mindener-Eisenbahn) noch nicht erf├╝llt seien. Es schl├Ągt vor, statt dessen zun├Ąchst eine Chaussee von Papenburg nach Emden zu bauen.
03.07.: Die St├Ąnde erwidern, sie hielten es augenblicklich ebenfalls nicht f├╝r angemessen, die Vorarbeiten f├╝r die Eisenbahn noch weiter fortzuf├╝hren.


1850

13.04.: Die Regierung stellt in einem Schreiben an die Ostfriesischen St├Ąnde fest, dass der gleichzeitige Bau von West- und S├╝dbahn zwar w├╝nschenswert aber v├Âllig unm├Âglich sei, da zum einen das Baukapital schwierig zu beschaffen sei und es zum anderen an Technikern mangele, wodurch der Bau beider Bahnen sich zu sehr in die L├Ąnge ziehen w├╝rde. Man spr├Ąche sich f├╝r den Bau der S├╝dbahn aus und wolle von der Westbahn zun├Ąchst nur den Abschnitt Emden-Papenburg bauen lassen – und diesen auf drei Jahre verteilt. Auch wird aus Hannover berichtet, die Regierung betrachte den Bau der Westbahn nur als unvermeidliches ├ťbel und gehe ohnehin nicht davon aus, dass sie sich rentiere. Eine am 11. Mai nach Hannover entsandte Delegation der St├Ąndeversammlung vermochte die Regierung nicht umzustimmen. Sie fand immerhin heraus, dass der Staat Preu├čen immer noch fest gewillt ist, die Fortsetzung Rheine-M├╝nster zu bauen, sobald von Seiten Hannovers die Westbahn in ihrer Gesamtheit in Angriff genommen wird.
31.07.: Es geht endlich voran: Mit diesem Datum wird ein Gesetz verabschiedet, dass „die Anwendung des Expropriationsgesetzes [Enteignungsgesetz] behuf Eisenbahnanlagen in den westlichen Landestheilen“ regelt. Am 20. September folgt eine Bekanntmachung ├╝ber den Bau der Westbahn. Gleichzeitig beginnen die Vorarbeiten f├╝r den Bau, als Beginn der eigentlichen Arbeiten wird das folgende Jahr festgelegt.
20.09.: Das K├Âniglich Hannoversche Ministerium des Inneren gibt bekannt, dass „Eisenbahnen zur Verbindung zwischen Ostfriesland und Osnabr├╝ck, so wie beider Landestheile mit den Westph├Ąlischen Eisenbahnen in der Richtung der Ems entlang auf M├╝nster und ├╝ber Osnabr├╝ck auf L├Âhne auf Kosten des Landes erbauet werden.“ Allerdings soll zun├Ąchst nur die Strecke Emden-Leer-Papenburg entstehen.


1851

13.05.: Die Regierung teilt den St├Ąnden mit, die „Specialanschl├Ąge“ f├╝r die Westbahn l├Ągen bereits vor, lediglich Unterlagen ├╝ber die geplanten Bahnh├Âfe und Umschlagstellen w├╝rden noch fehlen. Der Bau solle dadurch jedoch nicht verz├Âgert werden.
Juni: Nach Ankauf bzw. Enteignung der ben├Âtigten Fl├Ąchen beginnt mit den Erdarbeiten f├╝r die Strecke Emden-Papenburg nach ├╝ber zehn Jahren Diskussion der Bau der Strecke Rheine-Emden. Die Trasse wird bereits f├╝r zwei Gleise ausgef├╝hrt. Zun├Ąchst veranschlagte Kosten: 9.763.698 Rthl. – mehr als doppelt so viel, wie erst sechs Jahre zuvor durch Dammert berechnet.


1852

27.01.: Der am 3. M├Ąrz 1846 zwischen Hannover und Preu├čen abgeschlossenen Vertrag wird erneuert und von beiden Parlamenten genehmigt.
27.10.: Der Bau der Gesamtstrecke der Hannoverschen Westbahn ist beschlossen, worden, wie das Hannoversche Innenministerium zusammen mit dem vorgesehen Streckenverlauf bekannt gibt.


Stadtplanausschnitt

So stellt sich der Emder Bahnhof auf Oosterloos 1852 erschienenem Stadtplan dar – etwa zwei Jahre vor Inbetriebnahme der Strecke. An Drehscheiben wurde damals nicht gespart, vor dem Kai am heutigen Binnenhafen (ganz links) reihen sich gleich sieben davon aneinander. Oosterloo hat offensichtlich die Bauarbeiten entweder selbst beobachtet oder die Pl├Ąne gekannt, ein Gleisplan von 1864 und ein Stadtplan von 1913 stellen den Bahnhof sehr ├Ąhnlich dar: Direkt am Kai befinden sich zwei Waggondrehscheiben, etwas zur├╝ckversetzt zwei weitere. Dazu kommen noch eine Drehscheibe westlich des Empfangsgeb├Ąudes (wie bei Oosterloo) und eine an der Nordostecke des Lokomotivschuppens (links unterhalb des B von „Bahnhofes“). Lediglich die gro├če „steuerfreie Niederlage“ am Eisenbahndock („Hafen-Bassin“) fehlt auf dieser Darstellung noch.


1853

22.07.: Das Hannoversche Ministerium des Inneren ver├Âffentlicht den Verlauf der vertragsgem├Ą├č durch den Staat Preu├čen zu bauenden Teil der Westbahn.


1854

Fr├╝hjahr: Die Bauarbeiten f├╝r den Abschnitt Papenburg-Landesgrenze (bei Hummeldorf nahe Salzbergen) beginnen.
24.11.: Die Hann├Âversche Staatsbahn er├Âffnet die Strecke Emden-Leer-Papenburg (42,48 km), zun├Ąchst noch als Inselbetrieb ohne Anschluss an andere Eisenbahnen. Gleichzeitig wird in Emden eine Eisenbahn-Betriebsinspektion eingerichtet. Auf dem Abschnitt Emden-Leer fand als Bettung ├╝brigens Kies Verwendung, der im nahen Geestr├╝cken von Tergast abgebaut wurde.


1855

08.05.: Kaufleute aus Norden und Aurich gr├╝nden das „Norder und Auricher Eisenbahn-Comit├ę“, das eine Denkschrift ├╝ber w├╝nschenswerte Bahnstrecken Emden-Krummh├Ârn-Norden, Emden-Victorbur-Oldeborg-Norden (mit Abzweig Victorbur-Aurich) und Neermoor-Warsingsfehn-Timmel-Aurich-Westerholt-Hage-Norden (mit Abzweig Westerholt-Esens-Wittmund-Jever) ver├Âffentlicht.
01.07.: Bis zu diesem Tage sind f├╝r den Bau der Westbahn 5.001.372 Rthl. aufgewandt worden.


1856

02.05.: Die Strecke Papenburg (Ems) – Meppen – Lingen (Ems) (66,30 km) wird durch die Hann├Âversche Staatsbahn er├Âffnet, womit Emden Anschluss an das deutsche Eisenbahnnetz erh├Ąlt.
23.06.: Aufnahme des durchgehenden Betriebes auf der Gesamtstrecke Emden – Papenburg – Landesgrenze (s├╝dlich von Salzbergen) mit Weiterf├╝hrung nach M├╝nster – der sogenannten „Hannoverschen Westbahn“ (135,3 km) – durch die Hann├Âversche Staatsbahn, die Feierlichkeiten finden am 20. Juni in Emden statt. Gleichzeitig wird auch die Bef├Ârderung von Bahnpost zwischen Emden und Hannover ├╝ber Rheine und Osnabr├╝ck aufgenommen. (Zum Vergleich: 1850 gibt es im Deutschen Reich insgesamt erst 2.967 km Eisenbahnen, 1860 sind es 5.674 km.) Die Strecke quert zwischen Emden und Meppen 124 Br├╝cken und Durchl├Ąsse, gr├Â├čtes Bauwerk ist die Br├╝cke ├╝ber die Leda mit 234 Meter Gesamtl├Ąnge. Allein der Bahnhof in Emden umfasst 12,7 Hektar, die Lagerr├Ąume hier z├Ąhlen zusammen rund 12.000 Quadratmeter. Die Bauwerke werden allerdings nur nach und nach fertiggestellt: 1852-1854 der G├╝terschuppen (in dem zun├Ąchst auch die Empfangsr├Ąume behelfsm├Ą├čig untergebracht sind), 1853-1855 der Wagenschuppen und das Maschinenhaus, 1856-1858 das Empfangsgeb├Ąude und 1858-1860 die steuerfreie Niederlage.
01.08.: Der Norddeutsche Eisenbahn-Verband setzt einen gemeinschaftlichen G├╝tertarif in Kraft.
Au├čerdem: Die Verl├Ąngerung der Westbahn wird von privater Seite vorgeschlagen, im Gespr├Ąch ist die Strecke Neermoor – Aurich – Norden, wodurch Emden allerdings in eine Randlage gekommen w├Ąre.


1858

01.10.: Das Empfangsgeb├Ąude in Emden wird seiner Bestimmung ├╝bergeben. Damit hat endlich ein Provisorium sein Ende gefunden, denn bislang diente der s├╝dliche Teil des G├╝terschuppens der Personenabfertigung.


1861

Juli: Im Auftrage der K├Âniglichen Eisenbahnbau-Verwaltung wird das provisorische Maschinenhaus in Leer auf Abbruch zum Kauf angeboten.
01.07.: Ein neuer Fahrplan tritt in Kraft: Die Fahrzeiten der Zugverbindungen zwischen Emden und Hannover ├╝ber Lingen und Osnabr├╝ck: Emden ab nach Hannover 8:10, 15:40 und 16:20 Uhr, Emden an aus Hannover 10:10, 18.00 und 22:40 Uhr. (Die Angaben sind noch Emder Ortszeit, siehe 1893)
16./17.10.: Zum Gallimarkt (dem gro├čen Leeraner Jahr- und Viehmarkt) werden zwischen Emden und Leer (ab Emden 18:30, zur├╝ck 22:30, mit Halt in Neermoor und Oldersum) bzw. Papenburg und Leer (Abfahrt in Leer 21 Uhr) Sonderz├╝ge eingesetzt.
Au├čerdem: In der Nr. 40 des „Amtsblatt f├╝r die Provinz Ostfriesland“ bietet Agent K├Âniger „180 Scheffel sehr gutes Bauland“ (das hei├čt Ackerland) nahe Oldenburg zum Kauf an, mit dem Hinweis „eine gute Spekulation mit R├╝cksicht auf die zu erwartende Eisenbahn.“


1862/1863

Die Betriebsergebnisse der Westbahn best├Ątigen die anf├Ąnglichen Vorbehalte der Hann├Âverschen Regierung: Die Strecke verzinste ihr Betriebskapital mit nur 1,78 %, die ├Ąlteren Strecken dagegen im Schnitt mit 9 %. [Temming, Rolf L.: Das Gro├če Eisenbahnbuch, Verlag Kaiser, Klagenfurt 2001, S. 58.]


1863

An der Strecke Rheine – Emden befinden sich laut „Nachweisung ├╝ber den Bau und Betrieb der unter Hannoverscher Verwaltung stehenden Eisenbahnen 1863“ bei einer Entfernung von 18,97 Meilen (ca. 142 km): 157 W├Ąrterstationen, 93 W├Ąrterwohnungen, 64 W├Ąrter-Wacht- und -Schilderh├Ąuser, 136 optische Telegraphen und 5 electro-magnetische Glockensignale.


1865

05.05.: Die Oldenburgische Regierung verabschiedet ein Gesetz zum Bau der Eisenbahnstrecke von Oldenburg nach Heppens (heute Wilhelmshaven) durch den Staat Preu├čen, nachdem am 16. Februar des Jahres ein entsprechender Staatsvertrag geschlossen wurde.


1866

03.05.: Die Hann├Âversche Eisenbahnverwaltung erh├Ąlt von K├Ânig Georg V. den Auftrag, eine Bahnstrecke Emden-Neermoor-Westerholt zu vermessen. Die T├Ątigkeiten w├Ąren noch im selben Monat fast beendet worden, doch der drohende Krieg an der Seite D├Ąnemarks gegen Preu├čen (ab 15.06.1866) stoppt die Arbeiten.
15.12.: Als Folge des Deutschen Krieges f├Ąllt das K├Ânigreich Hannover an Preu├čen und damit auch die Westbahn. Die bisherige Hann├Âversche Staatsbahn bildet jetzt die „K├Âniglich Preu├čische Eisenbahn-Direction zu Hannover“.


1867

Ostfriesische Zeitung Nr. 30 vom 30. September 1867
Ostfriesische Zeitung Nr. 30 vom 30. September 1867

17.01.: Die Staaten Preu├čen und Oldenburg schlie├čen einen Vertrag ├╝ber den Bau der Strecke von Oldenburg nach Leer, die durch die GOE gebaut und betrieben werden wird.
01.05.: Es wird festgelegt, dass die Strecke Emden-Rheine „vom 1. Januar 1868 ab auf die Direction der Westph├Ąlischen Staats-Eisenbahn ├╝bertragen wird.“ [Amtsblatt f├╝r Hannover, Heft 96/1867]
03.09.: Der erste Personenzug bef├Ąhrt die Strecke Oldenburg-Varel-Ellenserdamm-Sande-Heppens (der sp├Ątere Bahnhof Wilhelmshaven). Die Fahrtzeit von Bremen nach Heppens betr├Ągt 3 Stunden und 20 Minuten.
Oktober: Auf der Hannoverschen Eisenbahn wird, zun├Ąchst in beschr├Ąnktem Umfang, die IV. Wagenklasse eingef├╝hrt.
Au├čerdem: Die Direktion der Westf├Ąlischen Bahn in M├╝nster beginnt mit den Vorarbeiten f├╝r eine Eisenbahn Emden – Norden (mit Abzweig nach Aurich, eventuell von Neermoor aus), die 1870 durch den Krieg gegen Frankreich unterbrochen werden.

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Amtsblatt Kgr. Preu├čen. Prov. Hannover, Oktober 1867

1868

Januar: Bei Detern beginnen Bauarbeiten f├╝r die Strecken Oldenburg-Leer. Das Stickhauser Bahnhofsgeb├Ąude wird noch im selben Jahr fertiggestellt. [Ostfriesland Magazin 5/2007]


1869

15.06.: Er├Âffnung der Strecke von Leer ├╝ber Ocholt und Bad Zwischenahn nach Oldenburg durch die Gro├čherzoglich Oldenburgische Eisenbahn GOE (55,01 km), einige Sonderz├╝ge sind allerdings schon vorher gefahren.
15.06.: Die K├Ânigliche Direction der Westf├Ąlischen Eisenbahn gibt einen neuen Fahrplan f├╝r die Strecke Emden – Landesgrenze zum Preis von 1 Silbergroschen heraus, g├╝ltig „bis auf weiteres“.
19.06.: Der Bahnhof Heppens im „K├Âniglich Preu├čischen Jadegebiet“ nahe dem gleichnamigen Dorfe hei├čt nun – wie die entstandene Ortschaft – offiziell Wilhelmshaven. (Die GOE besteht allerdings noch einige Zeit auf die „korrekte“ Schreibweise „Wilhelmshafen“ und lehnt die bereits damals veraltete Form mit v ab. Nach einigem Disput mit preu├čischen Amtsstellen gibt Oldenburg seine „Protesthaltung“ allerdings bald auf.)


1871

15.10.: Er├Âffnung der Strecke Sande – Jever durch die GOE (12,96 km).


1872

Anfang des Jahres: Bei Petkum wird – zun├Ąchst auf Probe – eine Haltestelle eingerichtet.
Au├čerdem: Eine Konzession f├╝r eine Bahnstrecke Papenburg – L├Âningen – Quakenbr├╝ck wird erteilt, der Bau kommt jedoch nicht zustande.


1876

25.11.: Die 1874 begonnene Strecke Ihrhove – Nieuweschans/NL wird durch die GOE er├Âffnet (17,5 km).
Au├čerdem: Die Bahnstrecke Emden – Norden wird wieder ins Gespr├Ąch gebracht.


1877

31.01.: In der Nacht auf den 31. Januar durchbricht eine Sturmflut den Emsdeich des Rheiderlandes auf H├Âhe des Ortes Weener. Die Wassermassen sp├╝len zwischen der Ortschaft und der Ems mehr als 500 Meter Bahndamm fort. Allein die wichtigsten Reparaturen bis zur Wiederaufnahme des Zugbetriebes dauern ├╝ber zwei Monate, die letzten Arbeiten werden erst im Herbst des Jahres abgeschlossen.
Au├čerdem: Es wird von privater Seite eine Secund├Ąrbahn nach Aurich vorgeschlagen, die von Emden ├╝ber Riepe nach Aurich f├╝hren soll. Der Geheime Oberbaurat Buresch aus Oldenburg schl├Ągt im November des Jahres eine Bahn Leer – Aurich in 750-mm-Spur vor, er geht von Kosten in H├Âhe von 1.210.000 Mark aus.

Eine Fahrt von Emden nach Leer kostet in der IV. Klasse 50 Pfennig (I. Klasse: 2,10 Mark), nach Petkum einen Groschen. Es fahren f├╝nf Z├╝ge t├Ąglich, der erste h├Ąlt jedoch nicht Petkum, dorthin gibt es auch generell keine Fahrkarten I. Klasse. Eine Fahrt nach Bremen ist f├╝r 5,10 Mark bis 10,10 Mark zu haben (nur I. bis III. Klasse), „f├╝r Courier- und Schnellz├╝ge gelten h├Âhere Fahrpreise“. Rechtzeitiges Erscheinen ist wichtig, denn „Der Billetschalter wird 5 Minuten vor Abfahrt des Zuges geschlossen.“

Das „Ressort der K├Âniglichen Eisenbahn-Direction zu Hannover“ besch├Ąftigt in Emden sechs Lokf├╝hrer, drei Heizer, 13 Zugf├╝hrer, Schaffner und Bremser, sechs Weichensteller und weiteres Personal, insgesamt 55 Personen.


1878

Sommer 1878: Das Handelsministerium beauftragt die Direktion der Westf├Ąlischen Eisenbahn mit den Vorarbeiten f├╝r die Eisenbahnen Emden – Aurich – Wittmund – Landesgrenze (nach Jever) und Emden – Norden – Esens – Wittmund, um f├╝r milit├Ąrische Belange eine direkte Verbindung Emden – Wilhelmshaven zu schaffen. Die Arbeiten werden noch im September abgeschlossen.
24.09.: Das K├╝stenbahnkomitee in Emden beschlie├čt, zun├Ąchst nur die Strecke Emden – Norden bauen zu lassen, auf einen Verlauf durch die Krummh├Ârn wird mangels Interesse der dortigen Gemeinden verzichtet, statt dessen w├Ąhlt man den Weg ├╝ber Georgsheil.
Au├čerdem: Eine Denkschrift ├╝ber eine Eisenbahn von Papenburg (oder Ihrhove) durch das Saterland nach Zwischenahn wird ver├Âffentlicht. Der Staat Oldenburg legt diesen Vorschlag aber zu den Akten.


1879

Mai: Der Bau einer normalspurigen Strecke Emden – Georgsheil – Norden wird endg├╝ltig festgelegt, im Oktober laufen bereits Vorarbeiten f├╝r die gesamte Trasse der K├╝stenbahn bis zur Landesgrenze Preu├čen/Oldenburg (bei Asel westlich von Jever).
Sommer: F├╝r den Bau des neuen Leuchtturms auf Borkum verlegt die Emder Baufirma Habich & Goth von der Reede bis zur Baustelle eine mit Pferden betriebene Feldbahn. Diese bleibt nach Beendigung der Arbeiten liegen – zun├Ąchst f├╝r andere Bauarbeiten – und bildet schlie├člich die Keimzelle f├╝r die etwas sp├Ąter entstehende Borkumer Kleinbahn, die ebenfalls durch Habich & Goth betrieben wird. Diese Baustellenbahn, deren Material von Bau des Ems-Jade-Kanals stammt, ist auch der Grund f├╝r die mit 900 mm etwas ausgefallene Spurweite der Borkumer Bahn.


1880

09.03.: Der Gesetzesbeschluss Preu├čens zum Bau der K├╝stenbahn erfolgt, nachdem am 15. Januar des Jahres 4.000.000 Reichsmark f├╝r den Bau der Strecken Emden – Norden – Landesgrenze bei Asel (die eigentliche K├╝stenbahn) und Georgsheil – Aurich bewilligt wurden. Die Bauarbeiten beginnen ohne weitere Verz├Âgerung.
Au├čerdem: In Emden arbeitet noch das „B├╝reau f├╝r die Vorarbeiten in Betreff der Ostfriesischen K├╝stenbahn von Emden ├╝ber Norden, Dornum, Esens, Wittmund zum Anschlusse an die Gro├čherzoglich-Oldenburgische Eisenbahn bei Jever“, bestehend aus zehn Personen.
Die Preu├čische Eisenbahn (Direktion der Westf├Ąlischen Eisenbahn) besch├Ąftigt in Emden f├╝nf Lokf├╝hrer, f├╝nf Heizer, f├╝nf Zugf├╝hrer, f├╝nf Schaffner, einen Bremser, einen Hilfsschaffner, f├╝nf Weichensteller und diverses andere Personal, insgesamt 51 Personen.


1881

01.04.: Die Verbindung Emden – M├╝nster z├Ąhlt nun zur am 23.02.1881 neu eingerichteten „K├Âniglichen Eisenbahn-Direction C├Âln (rechtsrheinisch)“ der KPEV, offizielle Bezeichnung der Strecke: „Westf├Ąlische Eisenbahn (Emden – Soest) im Bezirk der Kgl. Eisenbahndirektion C├Âln (rechtsrh.)“.


1882

Wegen des Baues der Seeschleuse in Emden (heutige Nesserlander Schleuse) soll eine Verbindung aus der Stadt zum neuen Anleger der Borkumf├Ąhre im Au├čenhafen geschaffen werden, f├╝r deren Bau und Betrieb der B├Ąckermeister Reemt Reints Poppinga als privater Unternehmer gewonnen wird. Geplant ist eine Pferdestra├čenbahn vom Bahnhof zum Au├čenhafen, die auf der Bahnhofstra├če, der Neuen Stra├če (heutige Friedrich-Ebert-Stra├če), der Gro├čen und Kleinen Br├╝ckstra├če verl├Ąuft, durch den Rathausbogen und ├╝ber die Rathausbr├╝cke f├╝hrt und dann auf dem Deich des alten Fahrwassers (wasserseitig der heutigen Nesserlander Stra├če) bis zum Borkumanleger verlegt wird. F├╝r den 01.06.1884 war die Inbetriebnahme geplant. Da die erforderliche Drehbr├╝cke ├╝ber den Faldernsiel (heutige Klappbr├╝cke im Zuge der Friedrich-Ebert-Stra├če) erst f├╝r 1884 zugesagt wird, wird im September 1883 ein vor├╝bergehender Streckenverlauf durch die M├╝hlenstra├če, ├╝ber die „Kettenbr├╝cke“ (die alte Klappbr├╝cke an dieser Stelle war bereits durch eine Drehbr├╝cke ersetzt worden) und durch die Faldernstra├če zum Rathaus beschlossen.


1883

14.04.: Norden ist nun aus Richtung Jever auf der Schiene erreichbar, der erste Zug (mit geschm├╝ckter Lok) bringt 18 Waggons mit Sand f├╝r den Streckenbau.
22.05.: Zum ersten Male wird Aurich von einem Zug (eine Lok mit einem Wagen) erreicht. Am selben Tag ereignet sich der wahrscheinlich erste t├Âdliche Unfall mit Beteiligung der Eisenbahnin Ostfriesland: Bei Nad├Ârst (s├╝dlich von Norden) scheuen Pferde vor einem Bauzug; ein Passant der das Gespann stoppen will kommt ums Leben.
15.06.: Er├Âffnung der Strecken Emden-Georgsheil-Norden-Wittmund-Landesgrenze bei Asel (77,90 km, mit Anschluss an Jever-Sande der GOE, 3,10 km) und Georgsheil-Aurich (10,49 km) durch die KPEV als Nebenbahnen. Gleichzeitig wird in Norden ein Betriebswerk eingerichtet. Zwischen Emden und Norden bzw. Georgsheil und Aurich liegen die Gleise auf den Seitenstreifen der Chausseen, weswegen die Geschwindigkeit auf 30 km/h, f├╝r G├╝terz├╝ge auf 20 km/h begrenzt wird. — Diese Tatsache gibt seit Beginn der Bauarbeiten bis heute (nach Wiederinbetriebnahme der Strecke Abelitz – Aurich) immer wieder Anlass zu Beschwerden.
Juli: Bereits rund vier Wochen nach der Betriebsaufnahme st├Â├čt der Bahnhof Norden an seine Kapazit├Ątsgrenzen. In der Ostfriesischen Zeitung vom 12.07. wird die Erweiterung angeregt. Da auch der B├Ąderverkehr stark zugenommen hat, wird eine Pferdebahn vom Bahnhof Norden zum Anleger in Norddeich ins Gespr├Ąch gebracht.
18.08.: Die Stadt Emden beabsichtigt, auf Borkum eine feste Landungsbr├╝cke zu errichten und f├╝r den Personenverkehr zwischen Anleger und Dorf eine Pferdebahn einzurichten. Daf├╝r soll das bereits seit l├Ąngerem vorhandene Baugleis des Emder Bauunternehmens Habich & Goth benutzt werden. [Ostfriesische Zeitung]
01.10.: Die Haltestelle Suurhusen erh├Ąlt eine „Posth├╝lfsstelle“, die Bahnpost besorgen je Richtung zwei Z├╝ge. [O.Z.]
26.10.: In Emden wird dem Bau der Pferdebahn vom Bahnhof durch die Stadt bis zur Nesserlander Schleuse zugestimmt. Der B├Ąckermeister Reemt R. Poppinga aus der Neuen Stra├če hat dazu eine Konzession f├╝r 50 Jahre erhalten. Die Stadt Emden gew├Ąhrt f├╝r den auf 93.000 Mark veranschlagten Bau ein Darlehen von 20.000 Mark und ├╝bernimmt es, die notwendigen Genehmigungen einzuholen. Bedingung: Die Pferdebahn mu├č bis zum 15.06.1884 fertiggestellt sein. [O.Z.]
Dezember: Der Auricher B├╝rgermeister erkundigt sich in Leer, ob noch Interesse an einer Schmalspurbahn zwischen beiden St├Ądten besteht – die Antwort f├Ąllt positiv aus. Bereits am 06.12.1884 wird dann eine entsprechende private (!) Eingabe beim Minister f├╝r landwirtschaftliche Angelegenheiten in Berlin eingereicht.


1884

01.01.: Die Abteilungsb├╝ros Emden und Esens, die w├Ąhrend des Baus die Gesch├Ąfte der K├╝stenbahn besorgt haben, werden aufgel├Âst und durch die neu eingerichtete Eisenbahn-Bau-Inspection Norden ersetzt. [O.Z.]
Au├čerdem: Die Emder Pferdestra├čenbahn scheint ihrer Betriebsaufnahme entgegenzugehen: B├Ąckermeister Poppinga kauft von der Pferdestra├čenbahn in Hannover f├╝nf dort entbehrlich gewordene doppelst├Âckige Personenwagen.


1885

23.03.: Trotz des hoffnungsvollen Beginns nimmt es mit der Stra├čenbahn ein unverhofftes Ende: Poppinga will aufgeben. In einem Schiedsverfahren der Stadt Emden gegen den B├Ąckermeister wegen des Weiterbaus der Emder Pferdestra├čenbahn wird gegen die Stadt entschieden: Poppinga kann nicht verpflichtet werden, die Bahn fertigzustellen. Die Stadt beginnt im Mai die zwischen dem Bahnhof und dem Rathaus bereits verlegten Schienen wieder zu entfernen. Nicht ganz unschuldig an dem Ende der Bahn sollen die doppelst├Âckigen Personenwaggons gewesen sein: Angeblich passten sie wegen ihrer au├čergew├Âhnlichen H├Âhe nicht durch den Rathausbogen.
17.05.: Die Vergr├Â├čerung der Wasserstation Leer wird ├Âffentlich ausgeschrieben, die Preu├čische Staatsbahn veranschlagt die Baukosten auf etwa 2.000 Mark.
09.07.: Auf der Insel Spiekeroog wird eine Pferdebahn (1,66 km) er├Âffnet. (Teilweise wird auch der 9. Juni angegeben.)
30.07.: Die Emder Baufirma Habich & Goth erh├Ąlt die Konzession zum Bau und Betrieb einer Pferdebahn auf Borkum vom neuen Anleger an der Reede bis zum Dorf.
Au├čerdem: Der Bau der heutigen Eisenbahnstrecke zum Emder Au├čenhafen (Foto) auf der Westseite des Hafens wird begonnen, da die Gleise ├Âstlich des Fahrwassers dem Ausbau des Hafens weichen m├╝ssen. Von der Kreuzung der K├╝stenbahn mit der Nesserlander Stra├če bis zum Au├čenhafen folgt die Strecke der Trasse der nicht gebauten Pferdebahn. Das Bahnhofsgeb├Ąude kostet 150.000 Mark, f├╝r die sonstigen Bahnanlagen werden bis zum Jahre 1900 insgesamt 490.000 Mark aufgewandt.


1886

03.05.: Ein „Extrazug f├╝r Personen- und Viehbef├Ârderung von Emden bis Aurich“ wird eingelegt. Abfahrt Emden 5.20 Uhr Localzeit, Ankunft in Aurich 7.06 Uhr. [Amtsblatt f├╝r Ostfriesland 1886, zur „Localzeit“ siehe die Anmerkung bei 1893]
01.06.: Bis auf weiteres bleibt die Eisenbahndrehbr├╝cke ├╝ber den Berumerfehnkanal (bei Nad├Ârst s├╝dlich von Norden) zu bestimmten Zeiten geschlossen. Aus dieser Bekanntgabe im Amtsblatt 1886 (und vielen weiteren) kann man wohl schlie├čen, dass die Br├╝cken damals grunds├Ątzlich ge├Âffnet waren, um den Torfschiffen einen ungehinderten Verkehr zu erm├Âglichen, und sie nur f├╝r Zugfahrten zugedreht wurden.
21.06.: Ein „Extrazug f├╝r Personen- und Viehbef├Ârderung von Emden bis Aurich“ wird eingelegt. Abfahrt Emden 4.40 Uhr Localzeit, Ankunft in Aurich 6.26 Uhr. [Amtsblatt f├╝r Ostfriesland 1886]
Au├čerdem: Einf├╝hrung eines Schnellzuges Emden-Norden. Der einzige Zwischenhalt in Georgsheil dient ausschlie├člich zum Umsteigen von und nach Aurich, Fahrkarten zwischen Georgsheil und Emden bzw. Georgsheil und Norden gibt es f├╝r diesen Zug nicht.
Die neuen Gleisanschl├╝sse der Kaianlagen in Emden-Au├čenhafen werden in Betrieb genommen.
Ein Herr von Hodenberg ver├Âffentlicht in der „Zeitschrift des Vereines Deutscher Ingenieure“ (Seite 652 des Jahrganges) einen Aufsatz mit dem Titel „Eisenbahnoberbau mit schraubenf├Ârmigen Glocken f├╝r eine Eisenbahn nach Norderney“. War eine Strecke durch das Watt geplant?


1887

18.04.: Ein Sonderzug „f├╝r Personen, welcher auch zur Viehbef├Ârderung benutzt werden kann“ verkehrt von Emden nach Aurich, mit Halt in Larrelter Stra├če (heute Emden Hbf), Hinter Stra├če, Suurhusen, Loppersum, Finkenburg, Georgsheil, Victorbur und Moordorf. Abfahrt 5.20 Uhr, Ankunft 7.06 (Fahrzeit 1 3/4 Stunden!). [Amtsblatt f├╝r Ostfriesland 1887, zu den Zeitangaben siehe die Anmerkung bei 1893]
01.06.: Die ├ľffnungszeiten der „unterhalb des Emder Hafens im Zuge der Ostfriesischen K├╝stenbahn ├╝ber das neue Fahrwasser erbauten Drehbr├╝cke“ werden bekanntgegeben. [Amtsblatt f├╝r Ostfriesland 1887, S. 162]
Au├čerdem: „In Preu├čen m├╝ssen laut Verordnung ab 15. September s├Ąmtliche Bahnhofswirtschaften in den Wartes├Ąlen 3. und 4. Klasse eine gute Tasse warmen Kaffee ohne Milch und Zucker f├╝r 5 Pf., mit Milch und Zucker f├╝r 10 Pf. abgeben. Ferner ist den Bahnhofswirtschaften zur Pflicht gemacht worden, nur noch guten reinen Kornbranntwein zu f├╝hren. Diese Ma├čnahme greift sofort f├╝r den Bahnhofsgastausschank in den Bahnh├Âfen der Staatsbahn in Aurich selbst, f├╝r Walle, Moordorf, Victorbur und den des Bahnhofes Georgsheil, ferner f├╝r den Ausschank an der Haltestelle Finkenburg.“ [Leider ist mir nicht bekannt, wo das ver├Âffentlicht wurde.]


1888

15.06.: Die Emder Baufirma Habich & Goth er├Âffnet den Betrieb der Inselbahn auf Borkum, entgegen der ersten Konzession allerdings mit Motorlok, welche die Firma vorher beim Bau des Ems-Jade-Kanal einsetzte. Die zweist├Âckigen Wagen der nicht zur Er├Âffnung gelangten Emder Pferdestra├čenbahn des B├Ąckermeisters Poppinga werden dazu angekauft und nach Borkum verschifft. Nach dem Umbau zu einst├Âckigen Personenwagen und der Ausr├╝stung mit Puffern und passenden
Kupplungen bilden sie den Grundstock des Wagenparks der Borkumer Kleinbahn
01.09.: Die Jever-Carolinensieler Eisenbahn-Gesellschaft (J.C.E.G.) er├Âffnet Strecke von Jever nach Carolinensiel (zum Anleger der Dampfer von und nach Wangerooge). Der Vertrag zur Konzessionierung wurde mit Datum 30.01. und 21.02.1888 zwischen dem Staate Oldenburg und dem Bankhaus von Erlanger & S├Âhne in Frankfurt (Main) geschlossen. (Siehe hierzu die K├╝stenbahn-Seiten.)


1889

November: Die Kommission f├╝r die Eisenbahn Leer-Aurich beendet ihre Arbeit, sie schl├Ągt die Trasse Leer – Hesel – Bagband – Aurich – Middels – Ardorf – Willen – Wittmund vor. Ein gleichzeitiges Angebot der Preu├čischen Staatsbahn, eine Eisenbahn Leer-Aurich in Normalspur zu bauen, wird auf Druck des preu├čischen Ministeriums f├╝r ├Âffentliche Arbeiten im Jahr 1890 wieder zur├╝ckgenommen.


1890

Fr├╝hjahr: Er├Âffnung der Strecke Norden-Wittmund, noch im gleichen Jahr werden 3.999 Personen auf der K├╝stenbahn bef├Ârdert, w├Ąhrend auf der Strecke M├╝nster-Emden bereits 55.744 Reisende gez├Ąhlt werden. Schon zu Beginn des Jahres w├╝nscht sich die Stadt Norden allerdings einen neuen Bahnhof n├Ąher an der Innenstadt, da der vorhandene zwei Kilometer von dort entfernt sei.
01.07.: Die Strecke Carolinensiel-Harle (2,0 km) wird von der J.C.E.G. in Betrieb genommen.
28.07.: Die Stadt Norden korrespondiert wegen des gew├╝nschten neuen Bahnhofs nahe der Stadt mit der KED C├Âln (rechtsrheinisch), die gew├╝nschte Strecke sei bereits abgesteckt.


1892

15.06.: Die KPEV er├Âffnet die Strecke Norden – Norddeich (6 km), nachdem am 26. Mai vom Betriebsamt M├╝nster der KED C├Âln (rrh.) die Betriebsgenehmigung erteilt worden war. Auf der gleichzeitig errichteten Mole k├Ânnen Badeg├Ąste nun direkt zwischen Zug und Dampfer umsteigen.


1893

01.04.: Mit dem Gesetz vom 12.03.1893 ├╝ber die Einf├╝hrung der Mitteleurop├Ąischen Zeit (MEZ) wird im gesamten Deutschen Reich eine einheitliche Zeitrechnung geschaffen. Die je nach L├Ąngengrad verschiedenen, nach der mittleren Sonnenh├Âhe bestimmten Ortszeiten sind damit abgeschafft. Zeitangaben im Bahnverkehr wurden stark vereinfacht, da nun nicht mehr gleichzeitig bahnintern nach „preu├čischer Eisenbahnzeit“ (= Berliner Zeit, 6 Minuten weniger als die sp├Ątere MEZ) und im Verkehr mit der ├ľffentlichkeit (Aushangfahrpl├Ąne und Ausk├╝nfte) nach Ortszeit gerechnet werden musste. Der Unterschied war bislang gravierend: Wer um 9 Uhr morgens in Berlin abfuhr, war etwa 8 Stunden unterwegs. Bei der Ankunft in Emden war es hier aber nicht 5 Uhr nachmittags, sondern erst 4.35 Uhr (die Rechnung in 24 Stunden gab es damals noch nicht). Wer in der Gegenrichtung fuhr, mu├čte in Berlin seine Uhr entsprechend um 25 Minuten vorstellen. Bereits zwischen Emden und Leer betr├Ągt der Unterschied etwa 1 Minute, zwischen dem westlichsten und dem ├Âstlichsten Punkt des damaligen Deutschen Reiches ├╝ber eine Stunde. Welche Probleme das bei der Aufstellung von Fahrpl├Ąnen gab, kann man sich vorstellen.


1895

01.03.: Der neu eingerichtete Haltepunkt Norden Osterstra├če wird in Betrieb genommen. Der erste Zug soll nach anderer Quelle aber erst am 5. Juni hier gehalten haben.
Mai: Die Vorarbeiten f├╝r eine Kleinbahn Leer – Aurich – Wittmund werden angeordnet, am 20./21. des Monats wird zun├Ąchst die
Trasse bereist.
Herbst: Der Bau einer Kleinbahn Ihrhove – Westrhauderfehn mit einer Spurweite von 750 mm ist im Gespr├Ąch, wird aber nicht verwirklicht.
Au├čerdem: Die KED C├Âln (rechtsrheinisch) bekommt nach Verlegung des Verwaltungssitzes die Bezeichnung KED Essen, die KED C├Âln (linksrheinisch) hei├čt jetzt nur noch C├Âln, sp├Ąter K├Âln. Die Strecke von Emden nach Rheine z├Ąhlt aber nun zur neugeschaffenen KED M├╝nster, die in Emden ├╝ber eine Betriebs- und eine Verkehrsinspektion verf├╝gt.


1896

15.01.: Das links des Fahrwassers gelegene Gleis vom Emder Bahnhof zur Nesserlander Schleuse wird f├╝r den ├Âffentlichen Verkehr geschlossen.
M├Ąrz: Der Entwurf f├╝r die Kleinbahn Leer-Aurich-Wittmund wird fertiggestellt. Am 30.12.1896 (Wittmund), 13.01.1897 (Aurich) und 19.01.1897 (Leer) beschlie├čen die beteiligten Kreise den Bau.
01.04.: Die Oldenburgische Staatseisenbahn nimmt den Betrieb auf der Strecke Zetel-Neuenburg auf, am
01.05.: folgt die Strecke Oldenburg-Brake, hier allerdings zun├Ąchst f├╝r den nur Personen- und Gep├Ąckverkehr. Ab dem 01.06. ist auch auf Letzterer G├╝terverkehr m├Âglich. [Amtblatt KED M├╝nster]
18.06.: Auf Spiekeroog wird eine Streckenverl├Ąngerung zum Anleger (1,82 km) in Betrieb genommen.


1897

01.04.: Die K.E.D. M├╝nster richtet auf Norderney eine Eisenbahn-Dienststelle f├╝r Personen-, Gep├Ąck- und eingeschr├Ąnkten G├╝terverkehr ein. [Amtsblatt KED M├╝nster]
06.04.: R├╝ckwirkend zum 01.01.1897 wird die Strecke Jever – Carolinensiel – Harle der J.C.E.G. von der GOE ├╝bernommen.
01.05.: An der Strecke M├╝nster-Emden wird zwischen Lingen und Lesche der Haltepunkt Elbergen f├╝r den Personen und beschr├Ąnkten Gep├Ąckverkehr er├Âffnet. [Amtsblatt KED M├╝nster]
03.07.: Die Inselbahn auf Wangerooge (3,5 km) wird durch die GOE er├Âffnet.


1898

27.01.: In Aurich wird nach ├╝ber 20 Jahren Diskussion die Kreisbahn Wittmund-Aurich-Leer GmbH gegr├╝ndet.
19.06.: Auf Juist nimmt eine Pferdebahn den Betrieb vom Anleger ins Dorf (2,3 km) auf.
Au├čerdem: Auf Wangerooge wird die Strecke um 2 km verl├Ąngert.


1899

14.06.: Die Juister Inselbahn erh├Ąlt eine neue Betriebsgenehmigung und nimmt den Betrieb mit Lokomotiven auf.
27.07.: Die Kleinbahn Emden-Pewsum (-Greetsiel, EPG) er├Âffnet die Strecke Emden-Pewsum (12,4 km), zuvor wurde am 26.07.1899 eine unbegrenzte Betriebsgenehmigung erteilt.
28.08.: F├╝r die Kreisbahn Wittmund-Aurich-Leer GmbH wird eine Polizeiverordnung erlassen [Amtsblatt f├╝r Ostfriesland 35/1899].
05.09.: Nachdem am 13.01.1898 eine zeitlich unbeschr├Ąnkte Betriebsgenehmigung erteilt wurde, er├Âffnet die Kleinbahn Wittmund-Aurich-Leer die Strecke Aurich-Ogenbargen-Wittmund.
September: Die Pl├Ąne f├╝r eine Kleinbahn Bunde-Ditzum oder Weener-Bunderhee-Ditzum werden ├Âffentlich ausgelegt. Gleichzeitig ist im Jeverland wieder eine Eisenbahn Hooksiel-Sengwarden-Sillenstede-Jever im Gespr├Ąch. [Ostfriesische Zeitung, 1899]


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┬ę Thomas Feldmann, Emden (Ostfriesland)
letzte Änderung 24.07.2022 (erstellt 29.05.2000)